Wer nicht am letzten Mittwochabend im LWL-Museum für Kunst und Kultur war, hat eins der besten Jazz-Konzerte des Jahres in Münster versäumt. Auf Einladung des Westfälischen Kunstvereins trat dort der amerikanische Pianist Danny Grissett auf und präsentierte vor allem seine eigenen Kompositionen aus dem aktuellen Album „Travelogue“.
Mindestens seit den späten 70er Jahren präsentiert der Westfälische Kunstverein Jazzkonzerte. „Aber dies ist erst das dritte mit einem Klavier-Trio“, wunderte sich Manfred Wex in seiner Begrüßung, „ich kann mich jedenfalls nur an die Trios von Cedar Walton, Jacky Terrasson und eben jetzt Danny Grissett erinnern.“
Dabei ist die Besetzung mit Piano, Schlagzeug und Bass die wahrscheinlich häufigste von allen möglichen Formationen im Jazz. „Aber vielleicht weiß das jemand hier besser?“ fragte Wex das Publikum. Eine Antwort hat er am Mittwochabend nicht bekommen; denn wohl kaum jemand kennt diese Konzertreihe besser, schließlich organisiert und präsentiert Manfred Wex sie seit Mitte der Neunziger und hat sie davor jahrelang besucht.
Trios sind bei Pianisten beliebt, weil sie dort nicht mit anderen Solisten an melodieführenden Instrumenten konkurrieren. Was aber nicht bedeutet, dass die Begleiter an Bass und Schlagzeug im Hintergrund bleiben müssen. Danny Grissett gab ihnen immer wieder die Möglichkeit mit Soli zu glänzen, was besonders der italienische Schlagzeuger Francesco Ciniglio mit viel Spielwitz nutzte. Dagegen hielt sich Bassist Josh Ginsburg auch mit seinen Soli eher etwas zurück. Es war insgesamt zu spüren, dass sich diese drei gut verstehen und aufeinander achten. Es ist aber keine ständige Formation, Danny Grissett tritt mit unterschiedlichen Besetzungen auf und hat auch sein Album „Travelogue“ im legendären Van Gelder Studio in Englewood Cliffs, New Jersey, zwar in der gleichen Besetzung, aber mit anderen, amerikanischen Musikern eingespielt.
Inspirationen aus Städten und Begegnungen
Die Inspirationen für seine Kompositionen habe er sich unterwegs geholt, vor allem bei den vielen Konzertreisen, erzählte Danny Grissett zwischen zwei Liedern. Da nutze er die Zeit, um sich die fremde Stadt und die Menschen anzuschauen und mitunter mit ihnen zu reden. Er fotografiert dann auch gerne und hat diese Bilder zunächst nur auf Instagram veröffentlicht. Es hätten ihn aber immer mal wieder Leute angesprochen, ob er daraus nicht ein Buch machen wolle. Das hat er nun nach langen Zögern gemacht, begleitend zu dieser CD und Tour, die das Reisen ja schließlich als Motto hat. Da er sich nur als Hobbyfotograf sieht, allerdings nur in der winzigen Auflage von 10 Stück – zwei davon hatte er auch in Münster dabei.
Vielleicht hat Danny Grissett sich bei seinem Besuch in Münster auch Impressionen für nächste Kompositionen mitgenommen. Wobei die auf „Travelogue“ keinen bestimmten Orten zugeordnet sind, sondern schon alleine mit ihren Titeln, wie „Wonder Wander“ oder „The People In The City“, eher allgemeine Stimmungen aufgreifen. Aber auch der „Viennese Summer“ von einem früheren Album über einen heißen Sommer in seiner aktuellen Wahlheimat ließ keinen Wiener Schmäh erklingen und schon gar keine Walzerseeligkeit.
Eine Friedensmelodie als Ausblick
Wohin die musikalische Reise zukünftig bei ihm gehen könnte, zeigte Grissett mit einem neuen Stück auf. Inspiriert hätten ihn die vielen Nachrichten in der letzten Zeit, von denen er vielleicht etwas zu viele verfolgt habe. Diesen „negativen Kräften in der Welt“ wollte er mit seiner „Untitled Melody for Peace“ etwas entgegensetzen. Hier war dann tatsächlich ein Walzertakt zu hören – und eine fast schon an die Musik einer Popgruppe wie die Beatles erinnernde Melodie, die sofort ins Ohr und in die Herzen der Zuhörenden ging. Auf eine Veröffentlichung dieses Titels freue ich mich schon und verbringe die Zeit bis dahin gerne mit dem Album „Travelogue“, das man sich wirklich immer wieder sehr gut anhören kann.
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