„Ein ganz besonderer Tag für mich!“ Der frischgewählte "Prinz in Lauerstellung" Oliver Hartmann im Interview

Teil des Aufnahme-Rituals ist das gemeinsame Trinken aus dem "Becher der Freude". (Foto: Jasmin Otman)
Teil des Aufnahme-Rituals ist das gemeinsame Trinken aus dem „Becher der Freude“. (Foto: Jasmin Otman)

Den Namen Hartmann verbinden viele mit dem großen Autohaus in Angelmodde. Die Karnevalisten und Karnevalistinnen dieser Stadt wissen aber, dass Oliver Hartmann nicht nur Experte in Sachen Autos ist, sondern den Münsteraner Karneval maßgeblich geprägt hat. ALLES MÜNSTER hat den frisch gewählten „Prinzen in Lauerstellung“ (PiL) zum Interview getroffen.

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Dass du der angehende Prinz Karneval der Stadt Münster bist, hat die Lokalzeitung ja leider schon vorzeitig verraten. Hat diese Tatsache das Erlebnis deiner gestrigen offiziellen Vorstellung getrübt?

Nein. der gestrige Tag war für mich natürlich trotzdem ein ganz besonderer Tag, auch für meine Familie.

Seit wann führst du das Autohaus?

Mein Vater hat das Unternehmen im Jahr 1980 gegründet und ich habe es 1990 übernommen. Zunächst mit meinem Bruder, der 2019 ausgestiegen ist. Mittlerweile sind meine Söhne beide ebenfalls im Autohaus tätig, womit meine Unternehmensnachfolge auch gesichert ist. Das ist eine schöne Sache, da kann man sich schon drüber freuen, dass es weiterhin in Familienhand bleibt.

Du hast in den letzten Jahren nicht nur dafür gesorgt, dass die närrischen Hoheiten und die Stadtwache mobil sind, sondern auch für freundschaftlichen Kontaktaufbau gesorgt…

Die Prinzenkutsche sponsern wir erst seit der Amtszeit von Sascha I., also seit zwei Jahren. Das Jugendprinzenpaar und die Stadtwache unterstützen wir schon länger. Die Vorstellung der Fahrzeuge ist immer ein nettes Event bei uns in der Bar. Zusätzlich laden wir die Prinzengarde auch zum „Dämmerschoppen“ ein, mit Musik, Snacks und kühlen Getränken. Ich glaube, dass sich alle ganz wohl fühlen bei uns im Autohaus.

Welche Rolle spielt der Karneval in deinem Leben?

Ich hatte bis 2005 überhaupt keinen Bezug zum Karneval. Das ist 2005 entstanden durch Rolf Jungenblut, der uns im Alten Gasthaus Barwe angesprochen hat, warum wir in Hiltrup keinen Karnevalsumzug haben. Und dann haben einige Jecken und ich im Jahr 2007 die Karnevalsgesellschaft Hiltrup gegründet. Wir sind damit extrem schnell groß geworden und waren in kürzester Zeit schon 300 Mitglieder. 2010 hatten wir den ersten Umzug und Andreas Koch war in diesem Jahr der erste Prinz, der den Karnevalsumzug in Hiltrup gestartet hat.

Wie kam es dazu, dass du Münsters nächstes Narrenoberhaupt wirst?

Es wurde über die letzten Sessionen immer mal wieder thematisiert, ob ich mir nicht vorstellen könne, Prinz Karneval zu werden. Auf dem diesjährigen Prinzenball sprachen mich Rolf Jungenblut und Paul Middendorf erneut darauf an. Meine Frau Nina sagte direkt „Ok, aber über den Begriff ‚Tollitute‘ müssen wir noch mal sprechen – das müssen wir ändern.“ Und als ich dann über Wochen von sehr vielen angesprochen wurde, musste eine Entscheidung getroffen werden. Dieses Hin und Her hat mich auch zu stark beschäftigt. Andreas Koch fragte mich dann im Februar beim Karnevalsumzug in Hiltrup: „Na, wie sieht’s aus?“ Dann habe ich gesagt: „Bevor ich mich entscheide, brauche ich ein paar Eckdaten, natürlich insbesondere welche Kosten ungefähr auf mich zukommen.“ Diese Informationen habe ich dann in einem Gespräch mit Rolf Jungenblut, Paul Middendorf, Andreas Koch, Mario Engbers und Thorsten Geuting bekommen.

Vor meiner endgültigen Zusage habe ich natürlich mit Nina gesprochen und sie vorgewarnt, dass ich wahrscheinlich JA sagen werde…und sie reagierte mit: „Das wird nicht ‚wahrscheinlich‘ so sein, sondern ganz sicher.“

Und sie war dann damit einverstanden?

Jetzt ja, aber als das Thema vor zwei Jahren erstmalig auf den Tisch kam, war meine Familie alles andere als begeistert. Weil es eine so enorm zeitaufwändige Aufgabe ist.

Du hast jetzt eine der kürzesten Sessionen der Geschichte erwischt. Rosenmontag wird schon am 8. Februar sein, das ist ganze vier Wochen früher als in der Session von Sascha von Zabern.

Tatsächlich war das ein wichtiger Faktor. So müssen meine Jungs nicht allzu lang den Laden ohne mich schmeißen.

Würdest du sagen, du bist jetzt genau in der richtigen Lebensphase, um Prinz zu werden?

Absolut! Ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum immer junge Prinzen gesucht werden. Wobei ich mich auch noch sehr jung fühle, nicht wie 57. Ich bin immernoch genauso verrückt wie früher, da hat sich nicht viel geändert. Aber mit 30 hätte ich mir das finanziell gar nicht leisten können. Das kann man eigentlich erst im gesetzteren Alter.

Deine Adjutanten sind Paul Middendorf, Andreas Koch und Stephan Westen – alle auch keine jungen Hüpfer… Sascha hatte zum Beispiel André Wichtrup, Prinz Christian dessen Cousin Marius. Beide um die 30…

Klar möchte man, dass in den eigenen Reihen die nächste Prinzengeneration heranwächst. Meine Adjutantur finde ich aber top. Das hat einen klaren Vorteil: Wenn man vielleicht mal einen Hänger hat, können so selbstbewuuste Männer wie Paul, Andreas und Stephan mit Sicherheit sehr gut in die Bresche springen.

PiL Oliver I.(2. v.r.) mit seinen Adjutanten (v.l.) Andreas Koch, Stephan Westen und Paul Middendorf. (Foto: Jasmin Otman)
PiL Oliver I.(2. v.r.) mit seinen Adjutanten (v.l.) Andreas Koch, Stephan Westen und Paul Middendorf. (Foto: Jasmin Otman)

Wie lautet dein Motto?

„Benzin im Blut- Karneval im Herzen“! Eigentlich hatten wir einen anderen Nachspruch, aber den haben wir aufgrund der aktuellen Situation geändert.

Du sprichst es selber an. In den sozialen Netzwerken entfachte eine unschöne Diskussion um dein ursprüngliches Motto „Benzin im Blut – Freude am Gas“. Es gab teilweise die absurdesten Interpretationen in Richtung Nationalsozialismus ….

Ich wollte in keinster Weise einen Vergleich zum Nationalsozialismus herstellen. Es hatte lediglich etwas mit dem Pedal im Fahrzeug zu tun! Bewegung, Spaß, Freude für alle. Es hat uns natürlich sehr beschäftigt und ich bin letztendlich auf die Kritik eingegangen.

Was glaubst du, was dich als Prinzen ausmachen wird?

Das ist eine tolle Frage. Ich denke, dass ich authentisch sein werde, so wie ich bin. Eine absolute Rampensau wie Sascha von Zabern bin ich nicht. Aber auch nicht der ganz ruhige Typ, sondern irgendwo in der Mitte. Ich kann schon anders, aber würde mich zum Beispiel nicht auf den Stuhl stellen und zur Musik mitschreien. Aber vielleicht gewöhne ich mich auch daran und mache sowas doch nach zwei Wochen im Amt. Ich habe schließlich noch nie vor einem Publikum gesungen, das muss man ja auch real betrachten.

Aber durch deinen Job kommt es doch sicher regelmäßig vor, dass du vor vielen Menschen stehst und sprichst?

Ja, das passiert schon. Aber hier ist das ja mein Revier und eine andere Sache. Wenn ich aber auf der Bühne stehe, zum Beispiel „Westfalen haut auf die Pauke“ ist das für mich absolutes Neuland. Da werde ich sicher eine gewisse Nervosität spüren. Aber am Ende hat Spaß für mich die höchste Priorität in jeder Veranstaltung. Man muss da ein bisschen hineinwachsen, das ist klar. Eine Showbühne ist etwas anderes, als wenn ich eine Präsentation vor meinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen halte.

Du sitzt ja an der Quelle…wird DEINE Prinzenkutsche die bisherigen toppen, wird sie richtig krass?

Ich kann das noch nicht 100%ig beantworten, weil ich noch überlege, ob ich vielleicht zwei Wagen haben werde. Der Prinz fuhr ja früher eigentlich immer eine S-Klasse von Mercedes-Benz oder eben die größten Autos, die wir haben, damit auch viel Platz ist. Ich hätte es eigentlich mal geil gefunden, da bin ich ehrlich, wenn ich das mit nem Dacia gemacht hätte. Also ein komplett krasses Gegenbeispiel. Da bin ich mir aber noch nicht sicher, ich weiß noch nicht, was die anderen davon halten. Aber nein, krasser wird es nicht, ich will nicht übertreiben. Ein bisschen bodenständiger ist besser. Das ist meine persönliche Meinung.

Oliver Hartmann (Mitte) bei der Präsentation der "Prinzenkutsche" von Prinz Christian II.(Archivbild: Jasmin Otman)
Oliver Hartmann (Mitte) bei der Präsentation der „Prinzenkutsche“ von Prinz Christian II.(Archivbild: Jasmin Otman)

Gibt es etwas, auf das du dich besonders freust?

Ja, auf alles. Andersherum muss ich sagen, dass ich vor einigen Sachen Respekt habe. Es ist ein bisschen wie eine Wundertüte, wo ich nicht weiß, was da letztendlich herauskommt. Zum Beispiel das Pontifikalamt im Dom oder die erste Bekanntschaft mit dem Oberbürgermeister.

Bereitest du dich irgendwie auf die Zeit vor, übst du das Singen oder treibst Sport?

Sport mache ich sowieso täglich. Immer im Wechsel Ausdauersport und Krafttraining. Das mache ich seit meinem 30. Lebensjahr. Kondition für die Auftritte sollte ich also haben. Was ich aber gemacht habe: Ich habe recherchiert, welcher Prinz was wie gemacht hat. Natürlich habe ich mich auf den gestrigen Tag, meine Wahl, vorbereitet. Mir aufgeschrieben, was ich alles über mich erzählen möchte, um mich richtig bei der Prinzengarde vorzustellen. Insbesondere auch, was ich in meiner Karnevalsgeschichte bereits gemacht habe.

Stehen deine Prinzen-Lieder schon?

Ich hatte konkrete Ideen, musste sie aber wieder verwerfen. Diese Songs wurden nämlich schon einmal von einem Prinzen benutzt. Mir fällt aber sicher was anderes Gutes ein. Ihr werdet es hören!

Wir sind gespannt! Danke für das nette Gespräch!

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