Die Community hält zusammen Etwa 200 Menschen versammelten sich heute im Rathausinnenhof bei der Gedenkveranstaltung nach dem CSD-Anschlag

Etwa 200 Menschen versammelten sich heute im Rathausinnenhof zur Gedenkveranstaltung nach dem CSD-Anschlag. (Foto: Michael Bührke)
Etwa 200 Menschen versammelten sich heute im Rathausinnenhof zur Gedenkveranstaltung nach dem CSD-Anschlag. (Foto: Michael Bührke)

Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin fand heute in Münster eine Gedenkveranstaltung statt, die Raum für Trauer, Mitgefühl und Solidarität geben sollte. Dazu hatten sich ab 16.30 Uhr etwa 200 Menschen im Rathausinnenhof versammelt. Nach einer Schweigeminute wurden dort Blumen niedergelegt und einige Reden gehalten, in denen es vor allem um Solidarität mit der queeren Community ging.

So wurde hervorgehoben, „wie doll wir zusammengehören und wie sehr der Schmerz von einer Person zu unser aller Schmerz wird.“ Jan Mittelstaedt, der Vorsitzende des CSD Münster e.V., beschrieb zunächst die Häme, die vielen auf den Social Media-Kanälen begegnen, und in welchem Kontrast dazu Veranstaltungen wie diese stehen: „Als Tenor kommt ganz viel, warum so ein Aufriss in diesem Fall, und warum wird sonst nichts gemacht. Und das andere ist ganz häufig Schadenfreude, nach dem Motto: ihr wollt eine vielfältige Gesellschaft, das habt ihr jetzt davon. Es ist daher so schön zu sehen, dass die Community zusammenhält, eigene Veranstaltungen organisiert, um sich gegenseitig aufzufangen, Kraft zu geben und zu empowern.“

„Das ist kein Thema von Randgruppen“

„Rechtsextremismus und Islamismus sind zwei Seiten derselben Medaille“, hieß es aus den Reihen des Orga-Teams zu dem Attentat in Berlin und weiteren Angriffen auf die queere Community. Daran knüpfte OB Tilman Fuchs an: „Nehmen wir das nicht hin! Wir wollen zeigen, und wir zeigen das hiermit, dass Münster weltoffen und tolerant ist und auch bleibt. Auch wenn wir wissen, dass uns das nicht in jeder Ecke der Stadt gelingt. Das alles geht uns alle an. Das ist kein Thema von Randgruppen, von einzelnen von uns. Es ist ein Angriff auf uns alle. Auf unsere Form zu leben, auf die Demokratie, auf die Freiheit, auf unseren Wunsch so zu sein, wie wir sind.“

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„Wirklich sicher habe ich mich noch nie gefühlt, auch nicht in Münster“

„Wir müssen lauter sein als die. Wir werden feiern, laut und sichtbar“, spielte Fuchs auf den CSD in Münster an, der am 15. August als Demonstration vom Aasee zum Prinzipalmarkt ziehen wird. „Wirklich sicher habe ich mich aber noch nie gefühlt, auch nicht in Münster“, meinte dagegen Flo vom Kneipen-Kollektiv „a.cat“. Es hatte nach den erschreckenden Meldungen aus Berlin das Café in der Herwarthstraße außer der Reihe auch am Sonntag geöffnet, „damit Menschen an diesem Tag nach dem Anschlag in Berlin nicht alleine mit ihren Gedanken sein müssen“.

Flo wies darauf hin, „dass wir als sichtbar queere und linke Kneipe merken, dass sich auch hier etwas verändert. Auch in unserem vermeintlich so harmonischen Münster. Wöchentlich Nazi-Sticker an unseren Fenstern, Beleidigungen von Passant*innen und Autofahrer*innen. Gäst*innen, die uns davon berichten, dass sie auf offener Straße beleidigt oder bedroht werden“. Er empfand es daher als „super schön zu sehen“, wie viele Menschen heute zu der Gedenkfeier in den Rathausinnenhof gekommen sind. Und er richtete einen Appell „an die Cis-Hetero-Allies, die heute hier sind“: „Hoffentlich kommt ihr nicht nur, wenn jemand von uns stirbt, sondern auch an allen anderen Tagen. Macht an allen anderen Tagen euer Mund auf gegen Queerfeindlichkeit und gegen jede andere Menschenfeindlichkeit.“

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Ein Kommentar

  1. Ich kenne das. Wenn ich sehe, was sie sagen, denke ich, dass das Problem viele Ursachen hat. Ich habe in vielen europäischen Ländern gelebt, aber leider gibt es dort viel Hass und schmerzhafte historische und soziale Altlasten. Es ist verständlich, jemanden nicht zu akzeptieren, der sich in seinem Körper nicht wohlfühlt, und wir können lernen, das zu akzeptieren. Traurigerweise verbirgt sich hinter diesem Hass und dieser Inakzeptanz viel Ignoranz. Ich persönlich glaube nicht, dass Menschen, die LGBTQ+-Menschen und andere Formen der Menschlichkeit ablehnen, akzeptieren und verstehen können, dass Homosexualität, Lesbischsein und Zölibat schon immer Teil unserer Gesellschaft waren; nichts davon ist neu. Aber kein Gesetz wird diesen Hass oder Rassismus gegen Menschen beseitigen, die sich wohlfühlen, so zu sein, wie sie sein wollen: Mann, Frau, nicht-binär usw.Die Welt dreht sich rasend schnell, und weder die Technologie noch die Denkweise der Menschen passen sich diesen Veränderungen an, akzeptieren oder verstehen sie. Es braucht Zeit, einen Menschen zu akzeptieren, zu verstehen und zu begreifen, der anders ist als die Norm. Es gibt keine Gesetze, die Menschen zwingen, sich diesen Veränderungen anzupassen. Charles Darwin, Albert Einstein und sogar Jesus hatten Menschen, die sie herausforderten, weil sie anders waren. Selbst nach all der Zeit verstehen wir noch immer nicht vollständig, warum wir mit diesen Persönlichkeiten nicht übereinstimmten. Und so ist die Welt heute: Was sie nicht versteht, zerstört sie. Aus Ignoranz und Hass. Eines Tages wird alles besser sein. Das ist meine Hoffnung, eine bessere Zukunft.

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