Der rote Hund bellt nicht mehr 1997 hat die Skulptur "Red Dog for Landois" von Keith Haring Münster verlassen. Wo steht sie heute?

Die Skulptur "Red Dog for Landois" von Keith Haring auf dem alten Zoogelände. (Foto: Thomas Weitenberg)
Die Skulptur „Red Dog for Landois“ von Keith Haring auf dem alten Zoogelände. (Foto: Thomas Weitenberg)

Zehn Jahre lang gehörte er zu Münster wie die Kugeln am Aasee oder die Säule mit den Kirschen auf dem Harsewinkelplatz: der große rote Hund auf dem Gelände des ehemaligen Zoos. „Red Dog for Landois“ war das Werk des amerikanischen Künstlers Keith Haring, aufgestellt anlässlich der Skulptur Projekte 1987. Doch dann war er plötzlich verschwunden, im Jahr der nächsten Skulptur Projekte, 1997. Wie steht es heute um den roten Hund?

Er war kaum zu übersehen, feuerwehrrot lackiert, über sechs Meter hoch und rund sieben Tonnen schwer, gebaut aus solidem Corten-Stahl. Der damals bereits weltberühmte Streetart-Künstler Keith Haring hatte mit dem „Red Dog for Landois“ etwas für ihn Untypisches geschaffen, eine Skulptur, die einen unmittelbaren Bezug zum Ort der Aufstellung hatte. Der alte Zoo, gegründet 1875 von Prof. Hermann Landois, musste 1973 dem Neubau der Landesbausparkasse (LBS) weichen, stattdessen wurde der neue Allwetterzoo am Aasee gegründet. Haring schien dies nicht sonderlich gefallen zu haben, er wollte Landois und dem alten Zoo ein Denkmal setzen, das die benachbarte LBS-Zentrale wütend anbellte. „Ich möchte meine Skulptur Hermann Landois widmen, und auch allen Kindern, die niemals das wundervolle Erlebnis haben werden, den bezaubernden Zoo zu besuchen, der sich an diesem Ort befunden hat“, soll Keith Haring gesagt haben, wie auf der Seite der Skulptur Projekte zu lesen ist. Die eindrucksvolle Skulptur war eine Leihgabe der Galerie Hans Meyer in Düsseldorf.

Beliebter Treffpunkt

In Ulm auf dem Hans-und-Sophie-Scholl-Platz vor der Kunsthalle Weishaupt. (Foto: Matthias Schmiedel)
In Ulm auf dem Hans-und-Sophie-Scholl-Platz vor der Kunsthalle Weishaupt. (Foto: Matthias Schmiedel)

Nach dem Abbau war er weitere zehn Jahre bis 2007 auf dem Vorplatz des Zentrums für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe zu sehen. Danach ging es nach Ulm, wo er sich noch heute befindet – es fragt sich nur, wo. Bis Oktober 2019 stand er sehr präsent mitten in der Stadt vor der Kunsthalle Weishaupt auf dem Hans-und-Sophie-Scholl-Platz. Die Skulptur war bei den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt beliebt, eventuell zu beliebt. Kinder nutzten die runden Beine des roten Hundes als Rutsche und zahllose Skateboards hinterließen zum Teil tiefe Spuren im Stahl. „Auch ein LKW ist an der Skulptur oben hängen geblieben und hat Spuren hinterlassen“, wie Martina Melzner von der Kunsthalle Weishaupt berichtet.

Interessanterweise haben Sprayer den roten Hund nicht behelligt: „Tatsächlich hatten wir mit Graffiti keine Probleme. Da scheint doch ein gewisser Respekt innerhalb der Szene hier in Ulm zu herrschen, was Kunst im öffentlichen Raum betrifft, und vielleicht ist manchen Sprayern auch Keith Haring noch ein Begriff. Seine Anfänge lagen ja auch in der Graffiti-Kunst.“ Dennoch musste die Skulptur dringend restauriert werden. Diese Arbeiten sind zwar seit einiger Zeit abgeschlossen, aber bis heute wurde der Hund nicht wieder öffentlich gezeigt. „Wir werden immer wieder darauf angesprochen, dass der ‚Red Dog‘ im Stadtbild fehlt – war er doch ein beliebter Treffpunkt auf dem Platz vor dem Rathaus.“

Keine Lösung in Sicht

Auf dieser Wiese links stand die Skulptur und bellte das Bankgebäude im Hintergrund an. (Foto: Bührke)
Auf dieser Wiese links stand die Skulptur und bellte das Bankgebäude im Hintergrund an. (Foto: Bührke)

Die Skulptur befindet sich im Besitz der Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt, deren Eigentümer verständlicherweise nicht möchten, dass der Skulptur von Keith Haring wieder entsprechend zugesetzt wird. Um Skateboardfahrer vom Sockel fernzuhalten, wurden störende Betonnoppen und an den Kanten Metallleisten angebracht. Das hat geholfen. Aber die tiefer gehenden Schäden waren bereits vorhanden und haben letztendlich die Restaurierung notwendig gemacht. „Der ‚Red Dog‘ ist restauriert, wird aber leider nicht an seinen alten Platz zurückkehren. Es konnte zusammen mit der Stadt Ulm keine Lösung gefunden werden, wie er hier mitten in der Stadt vor erneuter Beschädigung geschützt werden kann. Alle bis dato getroffenen Maßnahmen hatten ja leider nichts bewirkt. Den ‚Red Dog‘ wieder aufzustellen und eine erneute Beschädigung in Kauf zu nehmen, kommt für die Sammlerfamilie nicht infrage. Diese Entscheidung ist nicht leicht gefallen, wir hoffen aber auf Verständnis dafür. Die Skulptur ist derzeit eingelagert und nicht öffentlich zugänglich“, wie Melzner bedauernd erläutert. Der Hoffnung vieler Keith-Haring-Fans, dass der Rote Hund bald wieder öffentlich bellen wird, erteilt Martina Melzner eine klare Absage: „Eine Rückkehr des ‚Red Dog‘ ist aktuell nicht geplant.“

Ein Plakat des Theaters "Roter Hund". (Foto: Bührke)
Ein Plakat des Theaters „Roter Hund“. (Foto: Bührke)

In Münster lebt der „Red Dog for Landois“ weiter, allerdings nicht als Stahlskulptur, sondern als Kindertheater-Reihe. In den Sommerferien wird auf dem Gelände des alten Zoos, also genau dort, wo der „Red Dog“ bis 1997 stand, an drei Sonntagen Theater für Kinder aufgeführt. Der Name der Theaterreihe nimmt unmittelbaren Bezug auf die Skulptur von Keith Haring, die auch in Münster von vielen Bürgerinnen und Bürgern noch immer schmerzlich vermisst wird. Auch Münsters damalige Oberbürgermeisterin Marion Tüns erinnert sich gerne an die Stahlskulptur: „Ich bin da immer gerne mit meinem eigenen Hund spazieren gegangen“, berichtet sie. Ob es eines Tages zu einer Rückkehr des roten Hundes auf die Wiese hinter der Westfälischen Schule für Musik neben dem alten Eulenhaus kommen wird? Mindestens einen Vorteil hätte der Standort, schließlich müsste man den Münsteranerinnen und Münsteranern nicht erklären, wer eigentlich dieser Landois war.

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