
Nach dem Prinz ist vor dem Prinz. Obwohl Prinz Christian II. noch bis zum 10. November 2026 im Amt ist, muss die Nachfolge natürlich frühzeitig sichergestellt werden. Das ist Aufgabe des Generalprinzmarschalls Mario Engbers. Diesmal hatte er bei der Akquise jedoch nicht nur tatkräftige Unterstützung durch die Prinzgardisten, sondern den Namen des Auserwählten auch ständig vor Augen!
Unter den Karnevalisten und Karnevalistinnen kursierten bereits kurz nach Aschermittwoch schon die ersten Gerüchte und Spekulationen um den neuen „Prinzen in Lauerstellung“. Entgegen der eindringlichen Bitte um Traditions- und somit Geheimniswahrung ließ sich die Lokalzeitung jedoch nicht davon abbringen, die erlangte Information vorzeitig zu verkünden. Was manche von Ungeduld und Neugier geplagte Karnevalisten erfreut haben dürfte, sorgte in der Prinzengarde für nachvollziehbaren Unmut. Schließlich sollte erst heute der große Tag für den Prinzen in spe sein.
Für die traditionsgemäße Prinzenvorstellung versammelte sich die Prinzengarde der Stadt Münster von 1896 heute Nachmittag im Planetarium. Der Ablauf: Der Generalprinzmarschall (Geprima) präsentiert den Kandidaten, der sich dann der Abstimmung der anwesenden Prinzgardisten stellen muss. Erhält er die Mehrheit der Stimmen, ist er der „Prinz in Lauerstellung“ und somit das närrische Oberhaupt der kommenden Session.

Die Prinzengarde hat gewählt!
Der nächste Prinz Karneval der Stadt Münster wird: Oliver Hartmann. Der gebürtige Münsteraner ist 57 Jahre alt, seit 1998 mit seiner Frau Nina verheiratet und hat zwei Söhne namens Yannick (26) und Ben (23). In der Karnevalswelt ist der Name Hartmann während der Session in der gesamten Stadt omnipräsent. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses in Angelmodde sponsert nämlich die Fahrzeuge für die Stadtwache, das Stadtjugendprinzenpaar und seit 2024 auch die „Prinzenkutsche“. Ein großes dunkles Auto, dessen Motorhaube der individuelle farbenfrohe Prinzenorden ziert. Hartmanns Verbindung zum Karneval geht aber weit über diese Unterstützung hinaus. Er ist Mitgründer der Karnevalsgesellschaft Hiltrup (KGH) und war maßgeblich daran beteiligt, dass Hiltrup seit 2010 einen eigenen Umzug hat.
Kandidat mit viel Potenzial
Und so kann man den Gedankengang innerhalb der Prinzengarde nachvollziehen, den langjährigen Karnevalisten für das höchste närrische Amt gewinnen zu wollen. „Seit zwei Jahren wurde ich ständig angesprochen und gefragt, ob ich es mir nicht mal vorstellen könnte, Prinz zu werden“, sagt Hartmann. „Irgendwann musste eine Entscheidung getroffen werden und nachdem mir alle wichtigen Eckdaten genannt wurden und ich mit meiner Frau gesprochen habe, habe ich dann endlich zugesagt.“ Geprima Engbers freut sich über das Ergebnis der diesjährigen Prinzensuche: „Nicht nur ich, sondern auch weitere Prinzgardisten haben das Potenzial von Oli früh erkannt. Ich bin davon überzeugt, dass er die Karnevalisten in Münster durch seine offene, authentische und freundliche Art in seinen Bann ziehen wird.“
Hartmann gibt zu, vor dieser Aufgabe auch eine gehörige Portion Respekt zu haben: „Ich habe noch nie vor Publikum gesungen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand dann nicht ein bisschen nervös ist.“ Die Freude an der Sache habe für ihn aber die höchste Priorität. „Auch heute bei meiner Bewerbung als Prinz war das für mich klarer Spaß – egal, was da letztendlich bei herausgekommen wäre.“ Glücklicherweise hat heute ja beides gestimmt: Stimmung UND Ergebnis. Mario Engbers zeigt sich sehr zuversichtlich: „Olli steckt voller Power, das wird er in den Sälen und auf der Bühne zeigen. Ich freue mich sehr, ihn als Prinz Karneval der Stadt Münster zu erleben.“
Debatte um Motto schlägt weiter Wellen
Generalprinzmarschall Mario Engbers griff bei der Vorstellung des designierten Prinzen die Diskussion um das zunächst vorgesehene Sessionsmotto auf. Die öffentliche Debatte über das angekündigte Karnevalsmotto lasse ihn „einigermaßen fassungslos“ auf die vergangenen zehn Tage zurückblicken, sagte Engbers in seiner Rede. Hintergrund ist das ursprünglich geplante Motto, das nach Bekanntwerden vorab vor allem in den sozialen Netzwerken deutliche Kritik ausgelöst hatte. Nach Informationen unserer Redaktion blieb es dabei allerdings nicht bei Kommentaren im Netz.

Engbers verwies in seiner Rede auf ein früheres Motto der Prinzengarde. Vor 20 Jahren sei Ulf Imort mit dem Motto „Ulf gibt Gas, Münster hat Spass“ in seine Session gestartet. An vergleichbare Reaktionen könne er sich nicht erinnern. Zugleich kritisierte Engbers, dass denjenigen, „die am lautesten schreien“, aus seiner Sicht zu viel Aufmerksamkeit geschenkt werde. Er stellte die Frage in den Raum, ob die Wortführerinnen und Wortführer der Kritik möglicherweise eher ein persönliches Problem mit der Prinzengarde oder deren Umfeld hätten.
Der Generalprinzmarschall betonte außerdem die Bedeutung des organisierten Karnevals in Münster und Umgebung. Dort seien etwa 3500 bis 4500 Karnevalistinnen und Karnevalisten in mehr als 35 Gesellschaften aktiv. Mit Veranstaltungen der Karnevalsgesellschaften, des Bürgerausschusses Münsterscher Karneval (BMK), der Prinzengarde und weiterer Beteiligter erreiche man nach seinen Angaben jährlich rund 150.000 Menschen.
Engbers hob zudem das soziale Engagement des Karnevals hervor, etwa Besuche in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Seniorenheimen sowie Veranstaltungen für Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen. Der Karneval sei aus seiner Sicht eine integrative, bunte, politisch neutrale und weltoffene Plattform. Er wehre sich deshalb dagegen, den Karneval und speziell die Prinzengarde der Stadt Münster durch „unqualifizierte Kommentare“ in eine rechte Ecke drängen zu lassen. Dem designierten Prinzen Oliver Hartmann sicherte Engbers Rückhalt zu.
Starke Adjutantur
Die Adjutanten, die ihm an die Seite gestellt werden, sind allesamt gestandene Prinzgardisten: Andreas Koch, Prinz 2010 und kommissarischer Planungsmarschall, Paul Middendorf, Prinz 2015 und Generalprinzmarschall 2019-2025 und Stephan Westen, Mitglied der Prinzengarde und Vater der amtierenden Stadtjugendprinzessin Rosalie. Hartmann habe volles Vertrauen in die Expertise und Loyalität seiner Adjutanten.

Unter dem Motto „Benzin im Blut – Karneval im Herzen“ wird Hartmann ab November durch die Straßen und Säle der Stadt düsen. Und vielleicht ist Geschwindigkeit nicht verkehrt, denn die Session 2026/27 wird eine der kürzesten der Geschichte. Rosenmontag ist schon am 8. Februar!
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„Ulf gibt Gas, Münster hat Spaß“ ist auch etwas völlig anderes als „Benzin im Blut, Spaß am Gas“. Muss man das ernsthaft erklären? Das Motto ist immer noch unglücklich, aber nach der Korrektur zumindest nicht mehr widerlich.