
Die Vorfreude auf die vor ihm liegenden Aufgaben als Zoodirektor sind dem promovierten Biologen Philipp Wagner deutlich anzumerken. Und ein wenig Stolz ist wohl auch mit ihm Spiel, schließlich hat sich der 52-Jährige nicht auf die Stelle beworben, sondern wurde gefragt, ob er die Leitung übernehmen möchte. Kein Wunder, Wagner ist alles andere als ein wissenschaftliches Leichtgewicht und reist mit vielen Ideen im Gepäck von Münster in die schwäbische Metropole.
Den kleinen Bewohnern Zentralafrikas mit dem Namen Tetramorium philippwagneri wird es vermutlich ziemlich egal sein, dass ihr Namensgeber Philipp Wagner demnächst Zoodirektor wird, als Ameise hat man einfach andere Sorgen. Münster hingegen darf durchaus stolz auf den Wissenschaftler sein, der seit 2017 den Bereich Forschung und Artenschutz im Allwetterzoo als Kurator leitet und demnächst Chef des Augsburger Zoos sein wird. „In der dritten Klasse war mein klares Ziel, Biologe zu werden und so kam es dann ja auch“, berichtet der geborene Rheinländer. Nach dem Studium und der folgenden Promotion in Bonn folgte ein Postdoc-Aufenthalt in den USA. Gastprofessuren führten den gefragten Biologen nach Israel und Afghanistan. Bevor es nach Münster an den Allwetterzoo ging, leitete Wagner die Bezirksgeschäftsstelle Oberfranken und das Umweltschutz-Informationszentrum Lindenhof des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV) in Bayern.

Die Stelle des Kurators für Forschung und Artenschutz wurde noch vom damaligen Zoodirektor Jörg Adler geschaffen. Als Dr. Philipp Wagner im Allwetterzoo anfing, war Thomas Wilms als Adlers Nachfolger Zoodirektor. Wagner baute den Bereich und das Team auf, stieß Forschungsprojekte an. „Die Zusammenarbeit war einfach toll! Wenn Du Menschen Freiräume gibst und die Leute das nutzen, ist das großartig. Alle im Zoo sind sehr engagiert und geben jeden Tag alles. Es herrschst wirklich ein gutes Miteinander“, beschreibt Wagner seine neun Jahre im Allwetterzoo. Neben den Kolleginnen und Kollegen werde er das Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB) in Kambodscha und das erfolgreiche Auswilderungsprojekt für Gelbkopfschildkröten am meisten vermissen, wie er sagt. Sein Schwerpunkt sind die Reptilien, weltweit anerkannt ist er als Experte für Agamen, einer Tiergruppe, die mit den Leguanen verwandt ist. Wagners Kuratorenstelle wird im Allwetterzoo intern verteilt. Ansprechpartner für das Thema Artenschutz wird der zoologische Leiter Marcel Alaze. Dr. Imke Wiemann, Tierärztin im Allwetterzoo, wird Kuratorin für den Forschungsbereich. Zoosprecherin Swende Stratmann dankt dem Biologen für seine neunjährige Tätigkeit in Münster: „Der Allwetterzoo ist international für seine Artenschutzarbeit bekannt. Philipp Wagner war seit 2017 Teil dieser wertvollen Arbeit. Er hat sie vorangetrieben und gleichzeitig neue Projekte aufgebaut. Wir sind uns sicher, dass er mit dem gleichen Engagement seine neue Stelle als Direktor des Augsburger Zoos antreten wird. Wir wünschen Herrn Wagner für seine Zukunft alles Gute. Unabhängig von Personalien, wird der Allwetterzoo seine Bestrebungen im Artenschutz weiter vorantreiben.“
Verhärtete Fronten

Zoos haben nicht nur Freunde innerhalb der Gesellschaft, auch wenn die Besucherzahlen eine andere Sprache sprechen. Immer wieder hat es Wagner mit Zoogegnern zu tun. „Es handelt sich um eine sehr laute Minderheit, die auch oft sehr aggressiv vorgeht. Aber da muss man mit leben, wenn die Minderheit laut und die Mehrheit leise ist, ist das schlecht!“ Über die Jahre hat Wagner eine deutliche Polarisierung wahrgenommen und sieht einen klaren Grund in den Sozialen Medien, „Es gibt nur noch Schwarz und Weiß und wenn Du in den Sozialen Medien präsent bist, wirst Du zur Zielscheibe. Als Zoodirektor musst Du aber in diese Diskussion reingehen!“ Mit solchen Anfeindungen umzugehen, hat Wagner bei den Pfadfindern gelernt, wie er berichtet, „Ich war die gesamte Jugend bei den Pfadfindern. Da kann man den ganzen Tag kontrovers diskutieren und abends trifft man sich und trinkt zusammen ein Bier.“
Auch für Wagner sind Zoos nicht per se Paradiese. „Der Zoo als Freizeitpark ist nicht mehr zeitgemäß und hat ausgedient, ich bin kein Fan großer Tropenhallen. Es geht vielmehr um Forschung und Artenschutz, wo die Tiere im Fokus stehen und nicht der Unterhaltungswert. In Augsburg haben Tiere und Bildung schon jetzt einen hohen Stellenwert, das ist das, was ich mir unter einem Zoo vorstelle.“ Aus Sicht des Biologen sorgen gerade lokale Projekte wie der Schutz der heimischen Feuersalamander, wie er im Allwetterzoo umgesetzt wird, für Akzeptanz in der Bevölkerung. „Ich brauche nicht unbedingt Gibbons und Elefanten, eine Heuschrecke in Bayern zu schützen, kann sehr erfüllend sein!“ Solche Projekte möchte Wagner in Augsburg vorantreiben, auch mit Blick auf die Vernetzung mit umliegenden Playern wie dem Botanischen Garten oder Naturschutzorganisationen, „Meine Jahre beim LBV werden mir sicher dabei helfen, die Kooperationen mit dem lokalen Umwelt- und Naturschutzverbänden auszubauen.“ Als Resümee ist es für Dr. Philipp Wagner wichtig, dass die Menschen ein gutes Gewissen haben, wenn sie in den Zoo gehen, „Das ist der Zoo der Zukunft!“
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Aus Augsburger Sicht kann ich nur den Kopf schütteln, wenn ich von „Vorfreude“ lese. Wagner hatte sich gar nicht beworben und es nicht für nötig gehalten, zur Verabschiedung von Barbara Jantschke und seiner eigenen Vorstellung zu kommen, da gab es wohl wichtigere Termine. In Münster hat er den Artenschutz eher gebremst: Das einzige von den vielen früheren Artenschutz-Programmen des Zoos, das es noch gibt, das Zuchtzentrum in Kambodscha, ist notorisch pleite und überlebt nur durch Engagement von Leuten, die nicht im Allwetterzoo sind. Die anderen Projekte mussten andere Zoos übernehmen. Der Artenschutz wurde so runtergewirtschaftet, dass man nicht einmal einen Nachfolger braucht, sondern die paar verbliebenen Aufgaben auf andere Kurtoren aufteilt. Für mich nicht gerade ein Grund, positiv auf seine Rolle in Augsburg zu blicken – Elefnten weg, Heuschrecken her?