
Manchmal muss man nur aufmerksam genug hinschauen, um auf gute Ideen zu kommen. Vielleicht waren es bei der Photovoltaik die jungen Sonnenblumen, die mit ihrem Kopf dem Lauf der Sonne folgen und die Ingenieure so auf die Idee brachten, Solarflächen ebenfalls drehbar zu lagern. Auf dem Parkplatz von Ratiodata im Gewerbegebiet Loddenheide passiert genau das, wie eine Gruppe von Sonnenblumen folgen acht große „Solartracker“ dem Stand der Sonne. Mit großem Erfolg.
„Klimaschutz ist notwendig, machbar und bezahlbar“, bringt es Klemens Baumgärtel, Vorstandsmitglied des IT-Dienstleisters, auf einen Nenner. Nach eigenem Bekunden hat das Thema Nachhaltigkeit bei Ratiodata einen hohen Stellenwert sowohl bei der Firmenleitung, als auch innerhalb der Belegschaft. So war der Plan, einen nennenswerten Anteil des verbrauchten Stroms selber über Solaranlagen zu produzieren, naheliegend. Dafür wie andernorts die Dachflächen zu nutzen, erwies sich allerdings als problematisch: „Oben aufs Dach zu gehen, wird nicht gehen. Wir hatten im Winter schon Probleme mit der Schneelast. Außerdem wäre die Dachbegrünung beeinträchtigt worden“, erklärt André Christians, der für die Umsetzung des Projekts verantwortlich ist. So kam die Idee auf, die Solarflächen an Masten zu montieren, die auf dem Firmenparkplatz verteilt sind.

Der Baustart war im wahrsten Sinne holprig, „Wir stehen hier auf einem ehemaligem Kasernengelände, der Boden ist eine Katastrophe. Als der Baggerfahrer versucht hat, in den Boden zu kommen, hat er direkt wieder aufgehört und einen größeren Bagger geholt“, erinnert sich Christians. Die Solarflächen sind bifazial, können also mit beiden Seiten der Solarmodule Strom produzieren. Der Clou ist aber die Nachführung der Flächen zur Sonne. Sensoren erfassen dabei den realen Sonnenstand. „Es wäre natürlich auch möglich gewesen, den Sonnenstand einzuprogrammieren und die Module dem errechneten Sonnenlauf nachzuführen. Aber wenn der Himmel bedeckt ist, ergibt sich ein höherer Ertrag, wenn die Kollektoren horizontal stehen und das Streulicht des Himmels nutzen. Auch bei Sturm wird diese Position eingenommen, dafür sind Sensoren für die Windgeschwindigkeit montiert. Weitere Sensoren erkennen Schnee auf den Flächen, liegt Schnee, stellen sich die Flächen senkrecht“, wie André Christians erläutert.

Die Kombination aus Nachführung und bifazialer Nutzung der Solarzellen steigert die Effizienz der Solarflächen um rund 50 Prozent. In zweieinhalb Tagen produzieren die Tracker auf diese Weise den Jahresbedarf eines Drei-Personen-Haushalts. Aus Gründen des Brandschutzes wurden keine Speicher installiert, Überschüsse werden eingespeist. Die Motoren und die Elektronik, die dafür sorgen, dass die Tracker immer in die richtige Richtung schauen, benötigen lediglich 0,5 Prozent der Energie, die von der Anlage geliefert wird. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ratiodata können direkt unter den Trackern ihre Fahrzeuge aufladen und bezahlen dafür lediglich einen stark vergünstigten Tarif. „Das sind sehr beliebte Schattenparkplätze“, berichtet Christians schmunzelnd. 25 bis 28 Prozent des jährlichen Strombedarfs der Firma werden von den Solartrackern erzeugt. 307.000 Euro hat die Anlage gekostet.
Fotos: Bührke
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