CSD-Gottesdienst: „Träum weiter!“ Ökumenischer Gottesdienst erinnert an Opfer queerfeindlicher Gewalt

Seifenblasen steigen während der Fürbitten beim ökumenischen CSD-Gottesdienst vor der Heilig-Geist-Kirche auf. (Foto: Bistum Münster)
Seifenblasen steigen während der Fürbitten beim ökumenischen CSD-Gottesdienst vor der Heilig-Geist-Kirche auf. (Foto: Bistum Münster)

Rund 100 Menschen haben am Sonntag an einem ökumenischen Gottesdienst anlässlich des Christopher Street Days in Münster teilgenommen. Unter dem Leitwort „Dream On“ kamen sie vor der Heilig-Geist-Kirche zusammen. Im Mittelpunkt standen die Würde queerer Menschen, Erfahrungen mit Diskriminierung und Gewalt sowie die Hoffnung auf gesellschaftliche Veränderung.

Der Gottesdienst knüpfte dabei auch an das Motto des diesjährigen CSD in Münster an: „Die Würde des Menschen ist unantastbar – Queeres Leben schützen“. Pfarrerin Klara Robbers von der Alt-Katholischen Kirche verband dies mit dem christlichen Menschenbild. „Als Christ:innen glauben wir, dass Gott die Welt, dass Gott uns Queers gut geschaffen hat. Gott liebt mich, Gott liebt Dich, so, wie Du bist. Wir sind Ebenbilder Gottes und unsere Würde ist unantastbar und schützenswert.“

Wie das Bistum Münster in einer Medienmitteilung erklärt, wurde zu Beginn des Gottesdienstes eine Kerze zum Gedenken an die Opfer eines Anschlags auf den CSD in Berlin entzündet. Erinnert wurde außerdem an Malte C., der 2022 beim CSD in Münster angegriffen worden war und später an seinen Verletzungen starb, sowie an weitere Verstorbene aus der queeren Community.

Nici Perret vom AK Queer der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster verwies einerseits auf die Gemeinschaft, Offenheit und Freundlichkeit während des CSD-Wochenendes, andererseits auf queerfeindliche Gewalt. „Zugleich sind wir betroffen und aufgewühlt vom Hass und der queerfeindlichen Gewalt, die sich zuletzt beim Anschlag auf den CSD in Berlin ein weiteres Mal gezeigt hat.“

Würde und Umgang mit Ausgrenzung

Friedrich-Raik Harder vom Evangelischen Kirchenkreis Münster beschäftigte sich in seinen Predigtgedanken mit der Einteilung von Menschen in Zugehörige und „Andere“. Menschen, die anderen ihre Würde absprächen, müsse widersprochen werden. Zugleich seien auch sie nach christlichem Verständnis nicht außerhalb der Liebe Gottes. „Gott sieht über die Verfehlungen hinweg, damit eine Tür offen bleibt. Umkehr soll immer möglich sein“, sagte Harder. Ein Mensch solle nicht dauerhaft auf seinen schlimmsten Makel festgelegt werden.

Ruth Fehlker, Geistliche Leiterin der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) im Bistum Münster, stellte die Seligpreisungen aus der Bergpredigt in den Mittelpunkt ihres Beitrags. Sie bezog diese auf Erfahrungen von Trauer, Wut, Schmerz und Ungerechtigkeit und auf die Situation queerer Menschen.

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Mit Blick auf Gewalt und Diskriminierung warnte Fehlker davor, Leid im Nachhinein einen Sinn zuzuschreiben. Die Botschaft der Bergpredigt verstehe sie vielmehr als Zusage, dass Schmerz und Ungerechtigkeit nicht das letzte Wort hätten. „Gott weiß um diesen Schmerz. Er weiß um den Durst nach einer Welt, in der Menschen ohne Angst leben können, wenn sie sichtbar lieben, wenn sie sichtbar queer sind.“ Fehlker erklärte zudem, sie wolle sich nicht damit abfinden, dass Menschen darüber nachdenken müssten, ob sie in der Öffentlichkeit Zuneigung zeigen könnten oder nach einem Coming-out weiterhin in ihrer Familie willkommen seien.

„Träum weiter von Gerechtigkeit“

Das Leitwort „Dream On“ griff Fehlker schließlich als Aufforderung auf. Die häufig spöttisch verwendete Formulierung „Träum weiter!“ deutete sie um: „Träum weiter von Gerechtigkeit, auch wenn sie noch nicht da ist.“

Gestaltet wurde der ökumenische Gottesdienst von mehreren kirchlichen Initiativen und Gruppen. Beteiligt waren der Evangelische Kirchenkreis Münster, die Queergemeinde Münster, der Regenbogen-AK der Neuapostolischen Kirche, der AK Queer der Evangelisch-Theologischen Fakultät, die katholische Pfarrei St. Joseph Münster-Süd, die Katholische Frauengemeinschaft im Bistum Münster und die Alt-Katholische Pfarrgemeinde Münster.

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