„Man kann Kindern eigentlich alles erzählen“ Interview mit Checker Tobi in Münster über Neugier, schwierige Themen und warum Erwachsene öfter etwas zum ersten Mal machen sollten

Ein Treffen, auf das sich mindestens einer schon im Vorfeld sehr dolle gefreut und diesem entgegengefiebert hat. (Foto: Sebastian Rohling, re.)
Ein Treffen, auf das sich mindestens einer schon im Vorfeld sehr dolle gefreut und diesem entgegengefiebert hat. (Foto: Sebastian Rohling, re.)

Für viele Kinder ist er einfach Tobi, oder der „Checker“. Mit seinen Fernsehsendungen, Reportagen und Kinofilmen erklärt Tobias Krell die Welt – verständlich, neugierig und ohne erhobenen Zeigefinger. Für den Moderator war der jüngste Auftritt in Münster aber mehr als nur ein weiterer Tourstopp. Der als „Checker Tobi“ bekannte Moderator und Autor studierte einst in der Domstadt und jobbte während dieser Zeit unter anderem in der Kurbelkiste.

Im Rahmen seines jüngsten Besuchs in Münster sprach er mit uns über die Kraft der Neugier, schwierige Themen im Kinderfernsehen und darüber, warum Erwachsene manchmal von Kindern lernen können.

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Tobi, wenn man sich deine Sendungen, Reportagen und Filme anschaut, zieht sich ein Thema wie ein roter Faden durch alles, was du machst: Neugier. Kann man Neugier eigentlich lernen?

Ich glaube, Neugier hat viel mit Interesse zu tun. Neugier gibt es nicht ohne Interesse an der Welt oder an bestimmten Themen. Deshalb glaube ich nicht, dass man sie einfach trainieren kann. Man kann sich vielleicht vornehmen, neugieriger zu sein. Aber wenn einen etwas grundsätzlich nicht interessiert, wird man dafür keine echte Neugier entwickeln. Kinder bringen diese Neugier ohnehin mit. Die spannendere Frage ist für mich eher: Wann verlernen wir sie?

Kinder interessieren sich oft für alles. Erwachsene wirken dagegen manchmal deutlich selektiver.

Ja, Kinder sind erstmal offen für alles Mögliche. Deshalb können wir sie mit unseren Sendungen auch für ganz unterschiedliche Themen begeistern. Dabei geht es weniger darum, welches Thema man erzählt, sondern wie man es erzählt. Wenn man einen guten Zugang findet, kann man für fast alles Interesse wecken.

Gibt es Themen, die sich deiner Meinung nach grundsätzlich nicht für eine „Checker“-Sendung eignen?

Eigentlich nicht. Ich bin überzeugt, dass man sogar einen spannenden Versicherungs-Check machen könnte. Die Frage ist immer die Aufbereitung. Wenn man eine emotionale Geschichte findet oder einen überraschenden Zugang, kann man auch für vermeintlich trockene Themen Neugier wecken.

Hat unter anderem auch in Münster studiert: Tobias Krell, vielen besser bekannt als "Checker Tobi". (Foto: Hans Florian Hopfner)
Hat unter anderem auch in Münster studiert: Tobias Krell, vielen besser bekannt als „Checker Tobi“. (Foto: Hans Florian Hopfner)

Gibt es Themen, bei denen ihr besonderen Respekt habt?

Ja, durchaus. Es gibt Themen, die wir schon lange machen möchten und bei denen wir noch nach dem richtigen Zugang suchen. Aktuell beschäftigt uns zum Beispiel ein geplanter Bundeswehr-Check. Das ist ein wichtiges und relevantes Thema, aber natürlich auch eines, das viele Menschen mit Ängsten verbinden. Da müssen wir sehr genau überlegen, wie wir darüber sprechen. Wir wollen nichts verherrlichen oder verharmlosen, sondern erklären und einordnen.

Eure Sendungen wirken oft leicht und unbeschwert. Gleichzeitig behandelt ihr Themen wie Depressionen, Sterben oder den Holocaust. Wie gelingt dieser Spagat?

Das ist tatsächlich eine Herausforderung. Aber gerade bei schwierigen Themen gehört Leichtigkeit oft dazu. Ich habe neulich noch einmal unseren „Gefühle-Check“ gesehen. Da ist vieles lustig und überzogen. Gleichzeitig sprechen wir darin über Depressionen und sogar Suizidgedanken. Solche Themen können Kinder verstehen, wenn man sie gut einbettet und sensibel erzählt.

Du bist überzeugt, dass man Kindern auch schwierige Themen zumuten kann?

Absolut. Man kann Kindern eigentlich alles erzählen. Die entscheidende Frage ist nur, wie man es erzählt. Natürlich tragen wir eine große Verantwortung. Viele Kinder vertrauen uns und nehmen das ernst, was wir sagen. Deshalb müssen wir sehr sorgfältig arbeiten.

Gab es Situationen, in denen ihr deshalb noch einmal komplett neu ansetzen musstet?

Ja. Beim „Judentum-Check“ haben wir tatsächlich Teile neu gedreht, in denen wir den Holocaust erklären. Im Schnitt haben wir gemerkt, dass meine Stimme viel betroffener klang als sonst. Ich hatte das Gefühl, dass Kinder dadurch nicht mehr den Tobi erleben, der ihnen etwas erklärt, sondern jemanden, dessen Haltung ihnen Angst machen könnte. Also haben wir die Passagen noch einmal aufgenommen und anders erzählt.

Überraschen Kinderfragen dich nach all den Jahren überhaupt noch?

Ständig. Eine meiner Lieblingsfragen kam von einem Kind, das nicht verstehen konnte, warum eine Kopfschmerztablette im Kopf wirken soll, wenn man sie doch nach unten schluckt. Das ergibt aus Kindersicht total Sinn. Solche Fragen liebe ich.

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Und gibt es Fragen, die dich besonders berühren?

Ja. Vor allem dann, wenn Kinder unsere Themen mit ihrem eigenen Leben verbinden, unseren Krebs-Check zum Beispiel, oder den Leben- und Sterben-Check. Wenn ein Kind erzählt, dass gerade jemand gestorben ist oder persönliche Erfahrungen mit Krankheit gemacht hat. Dann merkt man, wie nah diese Themen sind. Das zeigt, wie wichtig unsere Arbeit ist – aber auch, wie groß die Verantwortung.

Mit deiner aktuellen Bühnenshow trittst du direkt vor Publikum auf. Was unterscheidet das von Fernsehen und Film?

Das Direkte. Ich möchte keine Fernsehsendung einfach auf die Bühne bringen. Die Kinder sollen mitmachen können. Deshalb binde ich das Publikum so oft wie möglich ein, hole Kinder auf die Bühne, mache Experimente mit ihnen und gehe ins Publikum. Genau diese direkte Begegnung macht für mich den Reiz von Live-Auftritten aus.

Über 3000 Menschen waren in die MCC Halle Münsterland gekommen, um ihn zu sehen: Checker Tobi. (Foto: Sebastian Rohling)
Über 3000 Menschen waren in die MCC Halle Münsterland gekommen, um ihn zu sehen: Checker Tobi. (Foto: Sebastian Rohling)

Zum Abschluss: Was können Erwachsene von dir, Marina, Julian und all den anderen Kinderreporterinnen und Kinderreportern lernen?

Vor allem die Bereitschaft, Neues auszuprobieren. Wir begeben uns beruflich ständig in Situationen, die wir vorher nicht kennen. Natürlich ist das unser Job. Aber im Grunde kann das jeder. Man kann einfach vor die Tür gehen, etwas ausprobieren, die Komfortzone verlassen und gemeinsam mit seinen Kindern neue Erfahrungen machen. Gerade wenn Kinder merken, dass Mama oder Papa etwas zum ersten Mal erleben, entsteht oft etwas ganz Besonderes.

Tobi, vielen Dank für das Gespräch und gleich eine tolle Show und Zeit auf der Bühne hier in der MCC Halle Münsterland (hier gehts zum Bericht).

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