Catcalling: Mehr als nur ein Strafgesetz nötig Münsteraner Initiative fordert mehr Schutz für Betroffene

Eine "Ankreidung" der Initiative Catcalls of Münster. (Foto: catcallsofmuenster)
Eine „Ankreidung“ der Initiative Catcalls of Münster. (Foto: catcallsofmuenster)

Die Diskussion um ein mögliches Gesetz gegen Catcalling gewinnt an Fahrt. Nachdem die SPD-Bundesfraktion vorgeschlagen hat, verbale sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum unter Strafe zu stellen, meldet sich nun auch die Münsteraner Initiative @catcallsofmuenster gemeinsam mit ihrem Dachverband Chalk Back Deutschland e.V. zu Wort. Sie unterstützen die Idee einer Strafbarkeit grundsätzlich, warnen jedoch vor reiner Symbolpolitik und fordern umfassende Maßnahmen, die Betroffene besser schützen und ein gesellschaftliches Umdenken anstoßen sollen.

Catcalling bezeichnet verbale sexuelle Belästigungen wie anzügliche Sprüche, Hinterherrufe oder obszöne Kommentare – oft auf offener Straße (wir berichteten bereits im Herbst 2022 über das Thema). Für Betroffene kann dies sehr belastend sein, weil es häufig mit einem Gefühl der Bedrohung oder Herabwürdigung einhergeht.

Wie Chalk Back Deutschland in einer Medienmitteilung erklärt, reiche eine neue Strafnorm allein nicht aus. Betroffene müssten vor negativen Erfahrungen mit Polizei und Justiz geschützt werden, damit sie den Weg der Strafverfolgung überhaupt sicher gehen könnten. Dazu gehöre auch, dass sensible Daten wie private Adressen in Strafverfahren nicht ohne Schutz offengelegt würden. Zudem müsse juristisch geprüft werden, ob bestehende Gesetze wie § 185 StGB (Beleidigung) angepasst werden könnten oder ob eine völlig neue rechtliche Regelung sinnvoll sei. Dabei solle auch abgewogen werden, ob soziale Maßnahmen – anstelle oder ergänzend zu Geldstrafen – einen nachhaltigeren Effekt hätten und besser dem Schutz marginalisierter Gruppen dienten.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei laut Chalk Back Deutschland ein intersektionaler Blick auf Catcalling. Belästigungen seien nicht ausschließlich sexualisierend, sondern könnten auch queerfeindliche, ableistische, klassistische oder rassistische Dimensionen haben. Diese Perspektiven würden bislang in der Debatte oft vernachlässigt. Gleichzeitig müsse verhindert werden, dass neue gesetzliche Regelungen ungewollt Racial Profiling fördern – sowohl auf institutioneller als auch auf gesellschaftlicher Ebene.

Besonderes Gewicht legt der Verein auf Prävention. Erfahrungen aus Ländern wie Belgien und Frankreich zeigten, dass eine reine Strafbarkeit nicht automatisch zu mehr Verurteilungen oder Anzeigen führe. Deshalb sei es notwendig, Bildungsangebote, Präventionsprogramme und Hilfsstrukturen konsequent zu fördern und politisch zu unterstützen, um einen echten Kulturwandel zu erreichen.

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