
Am Sonntag (8. Februar) stimmen die Wahlberechtigten im Stadtbezirk Münster-Mitte per Bürgerentscheid darüber ab, ob fünf Straßennamen bestehen bleiben oder umbenannt werden. Betroffen sind die Skagerrakstraße, Admiral-Scheer-Straße, Admiral-Spee-Straße, Otto-Weddigen-Straße in Mauritz und die Langemarckstraße in Rumphorst / Uppenberg.
Auf dem Stimmzettel steht die Frage, ob die gefassten Beschlüsse zur Änderung dieser Straßennamen aufgehoben werden sollen. Ein „Ja“ bedeutet: Beschlüsse aufheben – die Straßennamen bleiben. Ein „Nein“ bedeutet: Beschlüsse bleiben bestehen – die Umbenennung kann umgesetzt werden.
Wie es zur Abstimmung kam
Der erste klar datierbare politische Startpunkt für genau diese fünf Straßen liegt am 24. Januar 2023: In der Bezirksvertretung Münster-Mitte wurden Anträge gestellt, die diese Umbenennungen ausdrücklich zum Gegenstand machten. Nach Informationsveranstaltungen und einer Anhörung folgte am 6. Mai 2025 der Beschluss zur Umbenennung.
Auslöser des Bürgerentscheids
Auslöser des Bürgerentscheids war ein Bürgerbegehren der Bürgerinitiative für Münsters Straßen. Wie Stadt Münster in einer Medienmitteilung erläutert, reichte die Initiative 6.071 gültige Unterschriften ein; der Rat bestätigte die Zulässigkeit. Weil die Bezirksvertretung dem Begehren anschließend nicht entsprach und an ihrem Beschluss festhielt, kommt es nun zum Bürgerentscheid. In der Mitteilung wird als Begründung der Bezirksvertretung genannt, die Umbenennung sei wegen propagandistischer Bezüge zum Nationalsozialismus beschlossen worden.
Briefwahl, Fristen, Quorum
Rund 108.000 Menschen in Münster-Mitte sind stimmberechtigt. Wer per Brief abstimmen will, sollte die Unterlagen nach städtischer Empfehlung spätestens morgen (4. Februar) in die Post geben. Für einen erfolgreichen Bürgerentscheid reicht nicht nur die Mehrheit: Zusätzlich gilt ein Quorum. Mehr als zehn Prozent der Stimmberechtigten müssten für den Erhalt der Straßennamen stimmen – das entspricht rund 10.800 Personen.
Die Argumente der beiden Lager
Die Bürgerinitiative wirbt auf ihrer Webseite für den Erhalt der Straßennamen. Sie fordert eine aus ihrer Sicht sachlichere, historisch „objektive“ Bewertung, verweist auf Aufwand und mögliche Kosten durch Adressänderungen und plädiert für Kontextualisierung (Hinweisschilder/QR-Codes) statt Umbenennung. Inhaltlich betont sie, die Namen bezögen sich auf Personen und Ereignisse aus dem Ersten Weltkrieg, die Namensgeber seien vor der NS-Machtergreifung gestorben und keine Nationalsozialisten. Zugleich räumt die Initiative ein, dass die Benennungen in der NS-Zeit propagandistisch genutzt worden seien, sieht darin heute aber keinen fortwirkenden Bezug mehr.
Für ein „Nein“ – also dafür, dass die Umbenennung umgesetzt werden kann – wirbt das Bündnis „Münster sagt NEIN zu Nazipropaganda – Straßenumbenennungen jetzt!“. In einer Mitteilung vom 14. Januar 2026 hatte Sprecherin Lisa Bücker erklärt: „Wir möchten in den kommenden Wochen mit allen Menschen in Münster-Mitte in den Austausch über die in Frage stehenden Straßennamen kommen und sie von einem Nein am 08.02. überzeugen.“ Co-Sprecher Michael Bieber erklärte in derselben Mitteilung: „Am 08. Februar geht es um die Umbenennung von fünf Straßen, die von den Nationalsozialisten aus eindeutig propagandistischer Motivation benannt wurden.“
Auch bei Parteien und Organisationen gibt es klare Positionierungen: CDU und FDP werben für den Erhalt der bisherigen Namen, SPD, Grüne, Linke und Volt unterstützen die Umbenennung. Die ÖDP Münster spricht sich in einer Mitteilung ebenfalls für ein „Nein“ aus; sie räumt den Aufwand für Anwohnende ein, betont aber die Bedeutung von Straßennamen als Ausdruck öffentlicher Wertsetzungen. Die VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) in Münster unterstützt die Umbenennung und argumentiert unter anderem, Straßennamen seien als Ehrung zu verstehen.
Randnotiz: Streit um „55 weitere Straßen“
Im Abstimmungskampf gibt es zudem Streit über die Darstellung des Themas. Das „NEIN“-Bündnis weist die Behauptung zurück, es wolle „55 weitere Straßen“ umbenennen. Lisa Bücker sagt: „Allein um diese fünf Straßen geht es am 8. Februar.“
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