Bürgerentscheid: Umbenennungen abgelehnt 52,39 Prozent stimmten für Antrag der "Bürgerinitiative für Münsters Straßen“ / Fünf Straßen in Münster-Mitte behalten ihre bisherigen Namen

Die Admiral-Spee-Straße und die Skagerrakstraße sind zwei der Straßen im „Marineviertel“, die ihren Namen nach dem Bürgerentscheid behalten werden. (Foto: Ralf Clausen)
Die Admiral-Spee-Straße und die Skagerrakstraße sind zwei der Straßen im „Marineviertel“, die ihren Namen nach dem Bürgerentscheid behalten werden. (Foto: Ralf Clausen)

Später als vorher prognostiziert stand das Ergebnis fest. Fünf Straßen in Münster-Mitte behalten ihre bisherigen Namen. Mit 52,39 Prozent stimmte eine knappe Mehrheit der Abstimmenden dafür, die Beschlüsse der Bezirksvertretung aus dem Mai 2025 zur Umbenennung aufzuheben. Für diese konkrete Frage ist damit alles klar, die politischen Ableitungen daraus bleiben aber offen. Genauso, wie mit der sichtbar gewordenen Spaltung der Stadtgesellschaft umzugehen ist.

Spannend war der Abend schon von Beginn an. Bis 19 Uhr lag das Nein-Lager deutlich in Führung. Dann entstand eine Pattsituation. Am Ende wartete man noch auf acht Briefabstimmungsbezirke, die die Mehrheit veränderte.

Im Rathaus musste länger auf das Ergebnis gewartet werden als erwartet. (Foto: Christian Szepan)

18.627 Menschen votierten mit „Ja“ und damit für den Erhalt von vier Straßennamen im „Marineviertel“ und der Langemarckstraße, 16.927 mit „Nein“. Das Quorum wurde erreicht, die Abstimmungsbeteiligung lag bei 33,19 Prozent. Damit bewegt sich der Bürgerentscheid im Rahmen vergleichbarer Abstimmungen in Münster.

Bezirksbürgermeisterin Tabea Borrmann zeigte sich am Abend sichtbar zwiegespalten. „Ich bin erstmal froh, dass wir jetzt ein Ergebnis haben“, sagte sie, räumte aber offen ein, dass sie sich persönlich ein anderes Resultat gewünscht hätte. Die Beteiligung wertete sie als erwartbar, wollte daraus aber keine grundsätzliche politische Stimmungslage für den Bezirk ableiten. „Ich würde daraus noch keine Ableitung darüber machen, wie die politische Stimmung insgesamt ist“, so Borrmann mit Blick auf fast 108.000 Wahlberechtigte.

Wahlbeteiligung in Stimmbezirken sehr unterschiedlich

Tatsächlich ist der Blick auf die Zahlen ernüchternd für das Nein-Lager, das die Umbenennungen unterstützen wollte. Vor fünf Monaten hatten die Parteien, die diese Linie politisch vertreten, bei der Wahl zur Bezirksvertretung deutlich mehr als zwei Drittel der Stimmen erhalten. Beim Bürgerentscheid gelang es ihnen nicht, diese Wählerschaft erneut zu mobilisieren. In mehreren Stimmbezirken, in denen das Nein-Lager besonders stark war, blieb die Wahlbeteiligung auffällig niedrig. Das Hansaviertel auf der Bahnhofseite ist ein Beispiel. Dort erzielte die Nein-Kampagne zwar Spitzenwerte, gleichzeitig lag die Beteiligung an der Urne bei nur 14,6 Prozent.

Stephan Bracht, Christian Sieger und André Krabbe von der "Bürgerinitiative für Münsters Straßen“. (Foto: Christian Szepan)
Stephan Bracht, Christian Sieger und André Krabbe von der „Bürgerinitiative für Münsters Straßen“. (Foto: Christian Szepan)

Anders im sogenannten Marineviertel in Mauritz-Mitte. Dort, wo vier der fünf betroffenen Straßen liegen, war die Beteiligung am höchsten für eine Urnenabstimmung im gesamten Bezirk. Gleichzeitig erzielte das Ja-Lager hier mit über 68 Prozent das beste Urnenergebnis. Das spricht für eine klare Interessenlage der unmittelbar betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner und für eine sehr effektive Mobilisierung der Gegner der Umbenennungen.

Einer ihrer Sprecher, André Krabbe, sprach am Abend von einem Erfolg, wollte es aber nicht als Sieg werten. „Es war hochspannend und leider ist die Stadtgesellschaft ja, wie man sieht, gespalten“, sagte er. Die Bürgerinitiative habe früh den Dialog gesucht, sich aber übergangen gefühlt. Jetzt hoffe man, dass die Politik ihr Versprechen halte, das Thema für längere Zeit ruhen zu lassen. „Wir wollen uns dafür einsetzen, dass man würdig erinnert“, betonte Krabbe und erneuerte das Angebot, gemeinsam an Formen einer sichtbaren historischen Erinnerung zu arbeiten.

„Natürlich bleiben die Namen problematisch“

Auf Seiten der Befürworter der Umbenennungen überwog Enttäuschung. Lisa Bücker vom Bündnis „Münster sagt Nein“ sprach von einem bitteren Abend. „Sehr enttäuschend natürlich“, sei das Ergebnis, gerade angesichts des ehrenamtlichen Engagements vieler Unterstützerinnen und Unterstützer. Rückblickend räumte sie ein, dass das Bündnis spät gestartet sei. „Da sind wir natürlich ein bisschen später eingestiegen“, sagte Bücker und verwies darauf, dass man sich erst nach Zulassung des Bürgerbegehrens organisiert habe.

Auf die Frage nach einem Kompromiss sagte Bücker, dies sei am Anfang der Diskussion möglich gewesen. „Wir hätten die Straßen ändern können und trotzdem eine historische Einordnung umsetzen müssen. Unser Ziel war nie, dass das einfach nur verschwindet, sondern dass Nazi-Propaganda nicht mehr auf unseren Straßenschildern steht und trotzdem vernünftig erinnert wird.“

Für Borrmann ist das Thema damit nicht abgeschlossen. „Natürlich bleiben die Namen problematisch“, sagte sie und konnte sich mit der Idee der Bürgerinitiatives eines „begehbaren Geschichtsbuchs“ anfreunden. André Krabbe sagte: „Wir hoffen, dass die Politik jetzt auf uns zukommt, um gemeinsam eine würdige Umsetzung zu entwickeln“.

Noch ist nicht alles entschieden. Weitere Umbenennungen, etwa die Ostmarkstraße, liegen in der Zuständigkeit des Stadtrats. Ob die Bezirksvertretung Mitte dazu ihre Position verändern wird, blieb am Abend unklar.

Mehr Infos zum Bürgerentscheid über die Umbenennung von Skagerrakstraße, Admiral-Scheer-Straße, Admiral-Spee-Straße, Otto-Weddigen-Straße und Langemarckstraße  könnt ihr auf der Homepage der Stadt unter www.stadt-muenster.de/buergerentscheid-strassennamen finden, das vorläufige amtliche Endergebnis und die Ergebnisse der einzelnen Stimmbezirke auf der Seite der Citeq.

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Ein Kommentar

  1. Sehr Schade und eine Schande für Münster, dass sich noch Menschen für den Erhalt des Nazi Ruhms einsetzen. Hätte ganz Münster abgestimmt wäre das sicher anders ausgegangen.

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