Punkrock, Oi und Ska am Spätsommerabend Die Broilers vertreiben den Regen beim Open Air an der Halle Münsterland

Die Broilers überzeugen in voller, neunköpfiger Mannschafsstärke. (Foto: Thomas Hölscher)
Die Broilers überzeugen in voller, neunköpfiger Mannschafsstärke. (Foto: Thomas Hölscher)

Kaum lässt an diesem Freitagabend der Regen nach, strömen auch schon die Besuchermassen auf das Open-Air-Gelände an der Halle Münsterland für die Broilers. Nicht ganz die 25.000 Gäste der anderen Düsseldorfer Punkrockband am Mittwoch (wir berichteten), aber auch mit 15.000 Zuschauern ist der Platz gut gefüllt.

Das Wetter hat sich beruhigt, der restliche Abend soll trocken bleiben, ganz anders als die Kehlen, wovon die langen Schlangen an den Getränkeständen Kunde tragen. Den passenden Soundtrack zum Feierabendbier liefert auch umgehend die dienstältere Truppe des heutigen Abends.

Mit Betontod haben sich die Broilers eine Punkrock-Institution an Bord geholt, die das heutige Set ganz der durstigen Stimmung im Publikum angepasst haben. So fanden natürlich die Trinklied-Klassiker „Hömmasammawommanomma“ und das nicht wegzudenkende „Glück auf!“ („Wir müssen aufhören, weniger zu trinken…“) ihren Weg auf die Setlist, aber auch Liebe und Freundschaft kamen thematisch nicht zu kurz.

Auch wenn aufgrund der Kürze des Sets auf einige Klassiker aus der immerhin schon 36 Jahre zählenden Bandgeschichte verzichtet werden musste (vor allem „Schwarzes Blut“ und „Viva Punk“ wurden schmerzlich vermisst), wurde die Meute mehr als ordentlich angeheizt und hervorragend unterhalten.

Bengalos zu Beginn

Nach kurzer Umbaupause war es dann auch schon Zeit für den Headliner, der direkt in der großen neunköpfigen Besetzung mit vollen Bläsersatz die Bühne entert. Das sorgt für einen ordentlich druckvollen Sound, der sofort nach dem Morricone-inspirierten Intro (bei dem schon die ersten Bengalos gezündet werden) mit „Zurück zum Beton“ in die Beine geht. Hier werden heute keine Gefangenen gemacht, die Düsseldorfer fühlen sich sichtlich wohl auf der Bühne und sind ganz in ihrem Element. Auf dem letzten Open Air der Band für dieses Jahr soll bitte schon um 20:15 so getanzt werden, als sei es 23 Uhr, schließlich soll der Sommer gebührend verabschiedet werden.

Broilers-Frontmann Sammy Amara. (Foto: Thomas Hölscher)
Broilers-Frontmann Sammy Amara. (Foto: Thomas Hölscher)

Ein Ritt durch mehr als drei Jahrzehnte Broilers

Die Songauswahl für diesen Abend ist wilder und umfangreicher Ritt durch 32 Jahre Broilers vom Debütalbum „Fackeln im Sturm“ bis zur 2021 erschienenen Platte „Puro Amor“. Nach 2 Jahren Bühnenabstinenz wird mit frischer Energie alles gegeben, auch an der Gin-Tonic-Front. Immer wieder gibt es auch Raum für Erinnerungen an die frühen Konzerte in Münster, an Freunde, die schon gegangen sind (mit dem „notwenigen Party-Crasher“ „Ihr da oben“), an Menschen, die Familie sind und zu Familie wurden.

Unterstütze unsere Arbeit

Unser Lokaljournalismus ist dir mehr wert als nur ein Like? Jetzt spenden!

EUR
Du wirst zu PayPal weitergeleitet.

Man merkt, dass das Motto „Broilers geht nur zusammen“ nicht nur eine leere Worthülse ist. Ohnehin ist Zusammenhalt ein großes Thema, gerade wenn es um politisch turbulente Zeiten geht („Alice und Sarah“ ist leider immer noch aktuell, als würden die Menschen keine Geschichtsbücher mehr lesen), aber auch im Kleinen, wenn es darum geht, eine liebevolle Party zu feiern und aufeinander aufzupassen.

Von Springsteen und Kneipenkaraoke

Natürlich wird aber nicht nur nachgedacht und in Erinnerungen geschwelgt, sondern auch mit voller Kraft ein ganzes Arsenal an tanzbaren Klassikern ins Publikum gefeuert. Klar, dass weder „Tanzt du noch einmal mit mir?“ noch „Ist da jemand“ an so einem Abend fehlen dürfen, aber auch ruhigere Töne wie „Singe, seufze & saufe“ kommen zur Geltung. Es wird jedoch nicht nur das eigene umfangreiche Repertoire zum Besten gegeben, auch der Springsteen-Klassiker „Dancing in the Dark“(wie gut passt Sammys Stimme bitte dazu?) wird astrein interpretiert, ebenso wie die unverwüstliche Pointer-Sisters-Nummer „I’m So Excited“. Diese Art von Kneipenkaraoke lässt man sich gerne gefallen.

Irgendwann gehen dann allerdings auch die schönsten Spätsommerabende zu Ende, und nach ganzen sieben Zugaben und über zwei Stunden Spielzeit verlöschen auch die letzten Bengalos, während die Klänge von Journeys „Don’t Stop Believin‘“ die erschöpfte Menschenmasse auf den langen Fußmarsch vom Messegelände herunter geleiten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert