
Advent, Advent, die erste Kerze brennt, wenn jeder ins Stadtweinhaus rennt. Traditionell findet hier nämlich am ersten Advent die festliche „Ehren- und Obergeistertaufe“ (EOT) der KG Böse Geister statt, eine Zeremonie mit prominenten Gästen.
„Ich bin überwältigt, glücklich und demütig zugleich. Mehr als 250 Gäste begrüßen wir heute anlässlich der 60. Ehren- und Obergeistertaufe. 1965 fand die erste EOT statt und bildete den Grundstein für unsere heutige Veranstaltung“, begrüßt Präsident Mario Engbers den vollen Saal. Diesmal war die Anfrage tatsächlich so groß, dass ein Teil der Gäste auf die benachbarte Rüstkammer ausweichen musste.
Innenminister Reul wird Ehrengeist
Sicherlich tragen auch die Taufkandidaten dazu bei, dass die Karten schnell vergriffen waren. Darunter NRW-Innenminister Herbert Reul. Er sei, laut Engbers, nach Dr. Ingo Wolf der zweite Innenminister, dem die Ehre zu Teil werde, Ehrengeist der KG Böse Geister zu werden, Und das habe auch seinen Grund.
„In einer Zeit, in der das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung immer weiter sinkt, führen Sie Ihr Ministerium mit ruhiger Hand und können regelmäßige Erfolge in vielen Bereichen der Kriminalitätsbekämpfung verkünden“, sagt Engbers. „Ob Sie heute Nachmittag Ihrem Chef – unserem Ministerpräsidenten Wüst – verkünden können, dass Sie die Taufe zum Ehrengeist der KG Böse Geister auch erfolgreich überstanden haben, werden wir noch sehen…“
Höne hält Laudatio für Reul
Die Laudatio für Herrn Reul hält FDP-Fraktionsvorsitzender Henning Höne, der nicht nur sich reimende, sondern auch sehr wertschätzende Worte für den Innenminister findet: „Herbert Reul hat schon mehr für unser Land gegeben als andere in 15 Leben. Statt Ruhebank, Krimis und Pension, gibt’s Blaulicht, Ordnung und echte Emotion.“
Reul bedankt sich für die „liebevolle“ Ansprache und wünscht sich eine derartige Tonlage auch zukünftig im Landtag. „Ich muss sagen, ich war ein Stück entgeistert über diese Einladung und fragte mich: Was will man mir nun damit sagen?“ Er habe dann einen Geistesblitz gehabt: „Vielleicht ist gemeint, dass ich bei der Clan-Bekämpfung ein echter Plagegeist bin…“, spekuliert er weiter.
Dem Karneval sei er verbunden. Der Karnevalssamstag sei der einzige Tag, den er sich privat gönne: „Da ziehe ich bei mir zuhause in Leichlingen mit dem Trömmelchen mit dem Karnevalszug mit.“ Als der Rheinländer zugibt, dass er Münster für eine karnevalistische Geisterstadt gehalten habe, kassiert er laute Buh-Rufe. „Aber Sie müssen mir doch Recht geben! Gucken Sie sich ‚mal um, wie viele Obergeister, Untergeister usw. hier sitzen!“
Und wer sich tagtäglich mit Bandenkriminalität auseinandersetzt, dem macht die „gefährliche“ Ehrengeist-Taufe auch keine Angst. Eine sehr scharfe Frikadelle wird mit einem mindestens ebenso feurigen Schnaps hinuntergespült.
Eine Schwester auf dem Revier
Echte Entertainer-Qualitäten hat Schwester Diethilde Bövingloh osf. Sie hält die Laudatio auf Polizeipräsidentin und angehende „Ehrenratsfrau“ Alexandra Dorndorf.
Humor- und temperamentvoll erzählt Schwester Diethilde von ihrem Besuch im Polizeipräsidium. „Ich freue mich hier zu sein, denn das wäre ich fast nicht gewesen…“, beginnt sie die Schilderung ihrer Odysee. „Als ich endlich vor der richtigen Türe ankam, hieß es: Bleiben Sie hier stehen. Gut, ich stehe. Und so unnachahmlich zurückhaltend, wie Sie mich ja alle kennen… [lautes Gelächter] kam dann irgendwann jemand und begleitete mich. Kurz gesagt: Ich bin dort noch schlimmer umhergelaufen als in jedem Kloster!“
Polizeipräsidentin wird Ehrenratsfrau
Bei all den Witzeleien wolle sie sich aber auch ernsthaft bei der Polizei bedanken, „für den Schutz, den die Polizisten und Polizistinnen uns um Karneval und darüber hinaus im ganzen Jahr bieten.“ Dorndorf sei die richtige Wahl, lobt Schwester Diethilde den Präsidenten Engbers. Für die Auszeichnung bedankt sich die Polizeipräsidentin ganz herzlich. „Ihr seid ein leuchtendes Beispiel dafür, wieviel Lebensfreude und Gemeinschaftssinn Münster hat und ich bin dankbar, dass ich ab heute dazugehören darf. Ihr nennt Euch BÖSE Geister, aber Ihr seid die freundlichsten, fröhlichsten und charmantesten Geister, die man sich wünschen kann.“
Auch Volksbank-Vorstandsmitglied Dietmar Dertwinkel darf sich über einen Titel freuen. Er wird „Ehrenratsherr“ und in der Laudatio von Dr. Georg Lunemann als klaren, humorvollen Menschen beschrieben, der anpackt. Anpacken wollte Dertwinkel auch im Termin mit dem Böse Geister-Präsident: „Als guter Vertriebler dachte ich mir: Super, da gehe ich mit ’nem richtig guten Geschäft nach Hause. Mario, bester Vertriebler, den ich kenne, brauchte aber gar keinen Kredit! Stattdessen bin ich mit dem Anmeldeformular der Bösen Geister da ‚raus gegangen.“
Früh übt sich
Um den Finger wickeln können in dieser KG auch schon die Kleinen! „Herr Reul, ich freu`mich TOTAL, dass wir uns heute hier kennenlernen. Aber ganz ehrlich: Das wurde auch endlich ‚mal Zeit!“ begrüßt Kinderprinz Theo I. selbstbewusst den Innenminister – und entzückt damit das gesamte Publikum – inklusive OB Tilman Fuchs. Theo wurde übrigens von Ministerpräsident Hendrik Wüst zum „Kindertollitäten-Treffen NRW“ in Moers eingeladen. Mit ihm nimmt die KG Böse Geister erstmalig dort teil.
Wie der Name der Veranstaltung schon sagt, werden an diesem Sonntag selbstverständlich auch die neuen Obergeister getauft. Dieses Jahr sind das Rainer Grüntgens, Hannes Eymann, Burkhard Heuser, Mathias Kersting und Stephan Leuker.
Die EOT steht symbolisch für die Wertschätzung und Ehrung derer, die sich mit ihrer Persönlichkeit und ihren Taten in der Gesellschaft einbringen und das stärken, was die Welt wirklich braucht: Zusammenhalt.
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