
Im St.-Paulus-Dom wurde am Donnerstagmittag der neue Bischof von Münster offiziell vorgestellt. Zu dem Termin hatte das Bistum auch die Öffentlichkeit eingeladen, zahlreiche Gläubige und Interessierte konnten die Bekanntgabe damit vor Ort mitverfolgen. Künftig steht Dr. Heiner Wilmer an der Spitze des Bistums in Münster, der aktuell noch Bischof von Hildesheim ist.
Bis zuletzt wusste außerhalb des engsten Kreises kaum jemand, worum es bei der „wichtigen Personalentscheidung“ gehen würde, die das Bistum am Dienstag ankündigte – ein bisschen wie beim Warten auf weißen Rauch in Rom zur Papstwahl. Am Donnerstagmittag gab es dann Gewissheit.
Mit Wilmer wird ein bundesweit profilierter Kirchenmann nach Münster kommen. Der 1961 im emsländischen Schapen geborene Ordenspriester der Herz-Jesu-Priester ist seit 2018 Bischof von Hildesheim und steht seit dem 24. Februar 2026 an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz. Allein das macht die Personalie über Münster hinaus relevant und eine Entscheidung mit Signalwirkung für die katholische Kirche in Deutschland.
Kirche als sicherer Raum
Wilmer präsentierte sich in seiner ersten Ansprache als Bischof, der auf Nähe, Zuhören und klare Haltung setzt. Kirche müsse „aufsuchen, zuhören, verstehen und dann gemeinsam vorangehen“, sagte er. Menschen würden nicht durch Druck überzeugt, sondern „durch Nähe, durch Vertrauen, durch Interesse“. Deutlich wurde er auch bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche. Viele Verantwortliche hätten zu lange weggeschaut, sagte Wilmer. Das dürfe sich nie wiederholen. Er wolle sich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass die Kirche ein sicherer Raum werde.

Internationale Erfahrung
Wilmer bringt einen anderen Hintergrund mit als viele klassische Bistumsaufsteiger. Er stammt nicht aus einer typischen Verwaltungslaufbahn, sondern aus dem Orden, war Lehrer und Schulseelsorger, später Provinzial der deutschen Dehonianer und anschließend Generaloberer seines Ordens in Rom. Diese Jahre in Rom sprechen für internationale Erfahrung und gute Vernetzung in der Weltkirche. Das Bistum Münster selbst hob erst vor wenigen Wochen genau diese Punkte hervor und bescheinigte ihm hohe theologische Bildung, tiefe Spiritualität und gute Vernetzung.
Meinungsstarker Nachfolger
Inhaltlich gilt Wilmer als meinungsstark und vergleichsweise reformoffen. Bundesweit viel Aufmerksamkeit bekam er mit seiner drastischen Aussage, Missbrauch gehöre zur „DNA der Kirche“ – ein Satz, mit dem er die strukturelle Dimension des Problems betonte. Zugleich äußert er sich immer wieder deutlich zu gesellschaftspolitischen Fragen. Im Februar 2024 sprach er sogar im St.-Paulus-Dom in Münster und warnte dort vor der Leugnung des Klimawandels sowie vor rechtsextremistischen Tendenzen.
Hintergrund zum Verfahren
Als Hintergrund zur Neubesetzung des Bischofsamts lohnt ein Blick auf das Verfahren: Von einer klassischen „Bischofswahl“ kann nur eingeschränkt die Rede sein. Im Bistum Münster sammelt zunächst das Domkapitel gemeinsam mit weiteren Beteiligten Vorschläge für mögliche Kandidaten. Seit dem laufenden Verfahren sind auch 16 Laiinnen und Laien aus dem Diözesanrat beteiligt, die über das Profil des künftigen Bischofs und über Namen mitberaten. Die Vorschläge gehen über den Apostolischen Nuntius nach Rom. Dort wird eine Dreierliste erstellt, aus der das Domkapitel in Münster den neuen Bischof in geheimer Abstimmung wählt. Offiziell ernannt wird der Gewählte anschließend vom Papst.

Interims-Leitung durch Diözesanadministrator
Die fast 16-jährige Amtszeit des letzten Bischofs Dr. Felix Genn endete mit Ablauf des 9. März 2025, nachdem Papst Franziskus sein altersbedingtes Rücktrittsgesuch angenommen hatte. Genn war am 29. März 2009 als Bischof von Münster eingeführt worden und stand damit knapp 16 Jahre an der Spitze des Bistums. Seit dem Rücktritt von Bischof Felix Genn wird das Bistum übergangsweise von Diözesanadministrator Dr. Antonius Hamers geleitet. Das Domkapitel hatte ihn am 10. März 2025 gewählt. Er leitete seit 2014 das Katholische Büro NRW in Düsseldorf, wurde 2020 Domkapitular in Münster und 2024 stellvertretender Generalvikar.
(aktualisiert: 12:45 Uhr)
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