
Die LEG hat dem Nachbarschaftstreff Berg Fidel e.V. die Räume in der „Alten Post“ am Rincklakeweg 21 zum 31. März 2026 gekündigt. Der Verein hatte nach eigenen Angaben erst im April 2025 einen unbefristeten Mietvertrag unterschrieben. In Renovierung und Ausbau seien zudem viele ehrenamtliche Stunden und Spendengelder geflossen. Als Grund wird in dem Kündigungsschreiben nach Angaben der Initiative genannt, der Treff sei eine „Plattform für Dissens und Kritik“ an dem Unternehmen.
Am 10. Februar 2026 trafen sich Vertreterinnen und Vertreter des Nachbarschaftstreffs und der LEG in den Räumen in Berg Fidel. Ziel war es, eine Rücknahme der Kündigung zu erreichen. Das Gespräch endete nach Angaben der Beteiligten ohne Einigung, wie Berg Fidel Solidarisch und der Nachbarschaftstreff Berg Fidel e.V. in einer Mitteilung erklärten.
„Anwohner*innen zum Schweigen gebracht“
Anja Hortmann vom Vorstand des Nachbarschaftstreffs wird dazu zitiert: „Dass die LEG im Gespräch heute keinen Schritt auf uns zugegangen ist, zeigt, dass ihr nicht an einem Mehrwert für das Viertel gelegen ist. Es gibt keine zentralen Räumlichkeiten in Berg Fidel, die nicht der LEG gehören. So werden die Anliegen der Anwohner*innen zum Schweigen gebracht. Das ist inakzeptabel.“ Auch Mieterinnen und Mieter meldeten sich zu Wort. Matthias Kreidler, der nach eigenen Angaben seit vielen Jahren bei der LEG mietet, sagte: „Wenn die LEG Mietverhältnisse kündigt, sobald man Kritik äußert, müsste sie jeden zweiten Mieter vor die Tür setzen. In vielen Wohnungen wird nicht gut von denen geredet, weil es eben viele Probleme gibt.“ Bei Wohnungen gilt allerdings ein anderer Kündigungsschutz als bei gewerblich gemieteten Räumen wie denen des Nachbarschaftstreffs.
Will LEG Kritik unterbinden?
Berg Fidel Solidarisch wertet die Kündigung als Versuch, Kritik zu unterbinden. Leonard Beving von Berg Fidel Solidarisch erklärte: „Die LEG als Aktienunternehmen hat andere Interessen als wir Mieter*innen. Die LEG macht Profite auf unsere Kosten. Das heißt, bei unseren Wohnungen und in unserer Nachbarschaft wird kaputt gespart, während die Mieten weiter steigen. Dagegen kämpfen wir – so erfolgreich, dass die LEG uns lieber vor die Tür setzt, als unsere Miete zu kassieren“.

Die Initiative ist nach eigener Darstellung seit rund acht Jahren im Stadtteil aktiv. Genannt werden unter anderem eine Mieterinnen- und Mieterberatung, Unterstützung im Umgang mit Behörden, offene Treffen und gemeinsames Kochen. In den Räumen des Nachbarschaftstreffs findet demnach auch eine wöchentliche Lebensmittelausgabe der Tafel Münster statt. Gekündigt wurde nach Angaben des Vereins Ende September 2025, der Auszugstermin ist der 31. März 2026. Seit Bekanntwerden der Kündigung mobilisieren Initiative und Verein im Viertel, unter anderem mit Unterschriftensammlungen und Versammlungen.
Reaktionen aus der Politik
Politische Reaktionen folgten in den vergangenen Tagen. Die Ratsgruppe Die PARTEI/ÖDP kritisierte die Kündigung in einer Pressemitteilung vom 19. Februar 2026. ÖDP-Ratsherr Michael Krapp wird darin zitiert: „Die LEG nutzt hier Ihre wirtschaftliche Machtstellung kompromisslos aus. Als einzige Vermieterin von passenden Räumlichkeiten startet sie eine ‚Gesinnungsprüfung‘ für ihre Mieter. Das ist absolut inakzeptabel.“
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Auch Vertreterinnen und Vertreter der Linkspartei äußerten sich. Franziska Everinghoff, Vorstandsmitglied der Linkspartei, sagte: „Die LEG verfügt als Wohnungsunternehmen über große Bestände an Wohnraum im Stadtgebiet. Hier wird versucht, Kritik an dem Börsenunternehmen, das regelmäßig für Negativschlagzeilen sorgt, durch Kündigungen zu ersticken. Wenn die Gier nach mehr Kapital dazu führt, politische Initiativen einzuschüchtern und ihnen die Arbeitsgrundlage zu entziehen, müssen alle Alarmglocken schrillen. Wir stehen hinter Berg Fidel Solidarisch.“ Nach Angaben der Linkspartei besitzt die LEG in Münster über 6.000 Wohnungen.
Initiative seit Jahren vor Ort
Jacob Bohé, Ratsherr und wohnungspolitischer Sprecher der Linkspartei, ergänzte: „Schimmel in der Wohnung, keine Kontaktmöglichkeiten zur Hausverwaltung und falsche Nebenkostenabrechnungen: Damit sind Mieter*innen oft alleine. Berg Fidel Solidarisch setzt sich bereits seit Jahren ganz konkret vor Ort für diese Menschen ein. Der unabhängigen Initiative gilt unser großer Dank. Selbstverständlich sind wir solidarisch mit denen, die endlich das anpacken, was der Politik bislang nicht gelingt. Wir möchten in aller Deutlichkeit an Artikel 14 erinnern: Eigentum verpflichtet. Wenn der Wohnungskonzern seine Macht zur Einschränkung von Meinungsäußerungen ausnutzt und gleichzeitig seiner Aufgabe als Vermieter nicht nachkommt, sind alle politischen Institutionen zum Handeln aufgefordert. Dazu gehört auch die Diskussion, ob eine Enteignung der LEG in Frage kommt.“
Wie geht es weiter?
„Wir werden weiter für unsere Interessen kämpfen und in den nächsten Wochen alles tun, um den Raum zu erhalten. Aber auch wenn wir den Raum verlassen müssen, werden wir weitermachen: Solidarität lässt sich nicht kündigen“, wird Gabriele Nowak von der Stadtteilgewerkschaft zitiert. Berg Fidel Solidarisch kündigte eine Kundgebung im Viertel an. Sie steht unter dem Motto „LEG – ES REICHT! Für gute Wohnbedingungen. Kündigung von Berg Fidel Solidarisch zurücknehmen.“ Geplant ist sie für nächsten Freitag (27. Februar 2026) um 16 Uhr vor dem Supermarkt an der Hogenbergstraße 9 A.
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