
An den Baustellenzäunen des Preußenstadions hängen diverse Banner, doch eines ist besonders. Statt großformatiger Werbung für ein Restaurant oder einen Betrieb zeigt es in großen Buchstaben auf blauem Grund ein Statement gegen Rassismus. Das Banner mit dem Spruch über Zebras gehört dem Dortmunder Betrieb Bönninger Gerüstbau, dessen Logo und Name vergleichsweise unauffällig auf dem Banner stehen. Offenbar geht es hier eher um die Message als um die Marke. Warum engagiert sich die Firma in dieser Form gegen Rassismus?
„Rassismus ist, wenn weiße Zebras mit schwarzen Streifen schwarze Zebras mit weißen Streifen hassen“, steht auf dem blauen Banner. Ein auf den ersten Blick witziger Spruch, der zeigen soll, wie absurd Rassismus ist. Firmenchef Christian Bönninger nimmt die Sache allerdings sehr ernst, und seit ein paar Jahren ist das Engagement gegen Rassismus ein wesentliches Merkmal seiner Firmenpolitik. Während in Münster das Banner noch unbehelligt am Zaun hängt, sieht das in Dortmund ganz anders aus. „Ich habe nicht aufgeschrieben, wie viele Banner wir aufgehängt haben, aber ich schätze, dass es bestimmt 150 sind, und ich würde sagen, dass ein Drittel wieder weg ist“, sagt Bönninger. Weg bedeutet in diesem Fall gestohlen, zerrissen, besprüht oder auf andere Weise zerstört. Dass es in Münster noch hängt, schiebt der Firmenchef auf die hiesige Mentalität: „Münster ist so ein eigenes Städtchen für sich. Da sind die Leute noch ganz human“, sagt Bönninger lachend.
„Nur deutsches Personal“

Dass sich die Firma so offen und im wörtlich großen Rahmen gegen Rassismus positioniert, hat seinen Ursprung in einem Erlebnis vor rund zehn Jahren. „Wir hatten einen Auftrag bei einem Privatkunden. Als wir angekündigt haben, dass wir demnächst kommen, fing er schon so an: Aber schicken Sie mir da bloß keine Muselmanen vorbei. Ich habe mich erstmal dumm gestellt und gefragt, was er meinen würde. Er sagte dann, dass er nur deutsches Personal haben will. Da fragte ich nochmal nach, was er mit Deutsch meint und was passieren würde, wenn er einen schwarzen Kollegen mit deutschem Pass vorbeischickt. Das würde er nicht haben wollen, war die Rückmeldung. Da sagte ich ihm, dass wir wohl nicht so richtig matchen würden und dass er sich besser einen anderen Betrieb suchen solle. Ich habe nie wieder was von dem gehört.“
Bönninger Gerüstbau ist in Dortmund kein kleines Licht, rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für den Betrieb tätig. „Gerade auf dem Bau ist es üblich, dass sehr viele Nationalitäten zusammenkommen“, sagt Bönninger. Rassismus hat da keinen Platz, ist sich der Gerüstbauunternehmer sicher. So kam er 2023 auf den Gedanken, sich öffentlich sichtbar gegen Rassismus zu positionieren. Unter anderem wird ein 500 Quadratmeter großes Banner am Gerüst des Hauptbahnhofs regelmäßig zur weithin sichtbaren Aktionsfläche gegen Ausländerfeindlichkeit. In den sozialen Medien werden Fotos von den Aktionen gepostet, geliked und geteilt. Auf der anderen Seite bekommt die Firma jede Menge Hass zu spüren, in Mails, per Telefon oder Messenger und als Kommentare unter den Posts in den sozialen Medien. „Als wir das Banner am Hauptbahnhof aufgehängt haben, rief die AfD an und hat unterschwellig angekündigt, jemanden vorbeizuschicken. Aber da bin ich wie ein kleines Kind: Wenn man mir sagt,‚Mach das nicht‘, dann mache ich es erst recht!“ Der Druck von rechts und der Hass, der Bönninger und seiner Firma entgegenschlägt, haben in den Jahren zugenommen, da ist sich der Gerüstbauer sicher, und einen Grund dafür sieht er auch im Erstarken rechter Parteien. Entmutigen lässt er sich davon nicht, wie er betont.

Das Engagement zeigt Wirkung
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen hinter den öffentlichen Statements ihrer Firma. „Die Kollegen freuen sich darüber! Die sind integriert und sagen von sich selber, stolze Deutsche zu sein, und damit bestärken wir sie ja auch.“ Immer wieder melden sich Kunden bei Christian Bönninger und weisen darauf hin, dass sie das Engagement des Gerüstbauers klasse finden und genau deswegen den Auftrag an die Dortmunder Firma vergeben möchten. Auch bei Bewerbungen kommt es immer wieder vor, dass die Bewerberinnen und Bewerber durch die Anti-Rassismus-Banner auf die Firma aufmerksam geworden sind.

Dass dieses Engagement gerade in Dortmund gewachsen ist, dürfte kein Zufall sein. Jahrzehntelang galt die Stadt als eine der westdeutschen Hochburgen der Rechtsradikalen, den Stadtteil Dortmund-Dorstfeld haben Neonazis vor Jahren kurzerhand zum „Nazi-Kiez“ erklärt. Auf diese Entwicklung reagierte der liberalere Teil der Stadtgesellschaft allerdings zum Teil mit großem Engagement. Netzwerke wie der Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus organisieren regelmäßig Demonstrationen und Präventionsarbeit. Die Stadt arbeitet zudem kontinuierlich an einem Aktionsplan gegen Extremismus, um auf neue Entwicklungen wie die Reichsbürgerszene zu reagieren. Auch der Druck von Polizei und Justiz zeigt Resultate, viele Rädelsführer sind inzwischen abgewandert, unter anderem nach Ostdeutschland. Sollte sich die Situation auch in Dortmund langsam zum besseren wenden, liegt dies sicher nicht zuletzt am Engagement von Menschen wie Christian Bönninger.
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Klasse Firma und klasse Artikel!
Danke! 🙂