
Die innovative Kleinbrauerei an der Hammer Straße ist Geschichte, das „Läuterwerk“ hat die Zapfhähne geschlossen, für immer. Was als Projekt der Hobbybrauer Marcus „Vorti“ Vortkamp, Ingo Meister und Marc Pinnekamp vor fast genau zehn Jahren an den Start ging, entwickelte sich in kurzer Zeit zum Hotspot für Fans außergewöhnlicher Biere. Mit einem letzten Abend unter Weggefährten, Stammgästen und neuen Freunden wurde zum letzten Mal in den Räumen des „Läuterwerk“ Bier nicht nur getrunken sondern gefeiert.

Der Charme der Räumlichkeiten kann es nicht gewesen sein, der den Erfolg des „Läuterwerk“ ausmachte. In den Räumen eines ehemaligen Zoo-Fachgeschäfts eingerichtet, befand sich in der Brauerei nur das, was zum Notwendigsten gehörte. Tische, Bänke, Tresen, Zapfanlage und die Brautanks, das war’s. Keine hippe Braumanufaktur mit Erlebnisgastronomie, kein Chichi, nur Biere – und was für welche! Stammgäste fanden sich am zweiten Freitag und Samstag des Monats dort ein, um über ihr Lieblingsthema zu reden, spannende, ungewöhnliche Biere. Mitunter jenseits des deutschen Reinheitsgebots aber mit dem Wissen, was unsere Nachbarn an Brautradition zu bieten haben, entstanden unter anderem Publikumslieblinge wie das „Trallafitti“, einem belgischen Witbier, das traditionell mit Pomeranzenschalen und Koriander gebraut wird.
Geradezu legendär war auch der Quittenbock, zu dessen ersten Anlauf sich eine Gruppe von Bierfreunden im „Läuterwerk“ traf, um etliche Kilo der harten Früchte händisch in kleine Stücke zu schneiden. Belohnt wurden die „Quittenbock Ultras“ mit einem fruchtigen Bockbier jenseits der Zehn-Prozent-Marke, das bis zum Schluss eine begeisterte Fangemeinde hatte. Weitere Versuche wie das Reifen von Bieren in Rumfässern brachten Biere hervor, die es vermutlich selbst bei internationalen Bierwettbewerben auf vorderste Plätze gebracht hätten. Andere spannende Experimente wie das Hinzufügen von Tannennadeln führten zu überraschenden Ergebnissen, nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch.

Während des Corona-Lockdowns, als gerade die Gastronomie zum Teil schwer zu leiden hatte, veranstaltete das „Läuterwerk“ unter dem Titel „Schickern im Beis“ ein Online-Tasting im Stil einer Videokonferenz. Mit Bieren, die den Teilnehmenden im Vorfeld zugesendet wurden. Für manch einen der Bierbegeisterten dürfte dies die erste Videokonferenz ihres Lebens gewesen sein. Über die Jahre gab es immer wieder Live-Musik oder Barbecue-Abende. Obwohl sich die Betreiber des „Läuterwerk“ einer treuen Fangemeinde sicher sein konnten, zogen sich erst Marc Pinnekamp und später Ingo Meister aus dem Geschäft zurück, Vortis Frau Anke stieg dafür ein und setze als ausgebildete Biersommelière neue Akzente. In den Sommermonaten kam eine Außenbestuhlung hinzu, von der aus auch schon mal Eichhörnchen gerettet wurden. Biertastings und Braukurse erweiterten das Angebot.
Dennoch tut sich Deutschland, anders als zum Beispiel die westlichen Nachbarländer, mit hochwertig gebrauten und abwechslungsreichen Bieren jenseits von Pils und Weizenbier schwer, das merken auch andere Brauereien. Überhaupt ist der Bierabsatz in Deutschland stark rückläufig, von rund 112 Liter pro Person Mitte der 2000er auf unter 90 Liter heute. Jetzt haben Vorti und Anke die Reißleine gezogen und zum letzten Mal die Pforten zum „Läuterwerk“ geöffnet. Zum Abschied konnten die Gäste per Online-Abstimmung bestimmen, welches Bier an den Hahn kommt. Für die passende Musik sorgte einmal mehr Michael Wietholt alias Käpt’n Middach. Ein Abend zwischen Freude an spannenden Bieren und dem traurigen Abschied von einer liebgewonnenen Institution setzte den Schlusspunkt einer zehnjährigen Geschichte.
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