Apotheken sehen Vorteile vor Ort Stiftung Warentest hat Online-Arzneimittelversender geprüft

Stiftung Warentest hat Online-Arzneimittelversender untersucht. Der Apothekerverband Westfalen-Lippe sieht darin Argumente für Apotheken vor Ort. (Symbolbild: Michael Bührke)
Stiftung Warentest hat Online-Arzneimittelversender untersucht. Der Apothekerverband Westfalen-Lippe sieht darin Argumente für Apotheken vor Ort. (Symbolbild: Michael Bührke)

Die Stiftung Warentest hat in ihrer Juni-Ausgabe verschiedene Online-Arzneimittelversender untersucht. Der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) mit Sitz in Münster sieht die Präsenzapotheken durch die Ergebnisse in ihrer Einschätzung bestätigt, dass die Versorgung vor Ort in mehreren Punkten Vorteile bieten könne.

Zwar habe die Stiftung Warentest keinen direkten Leistungsvergleich zwischen Versandapotheken und Apotheken vor Ort vorgenommen, wie der Apothekerverband Westfalen-Lippe in einer Medienmitteilung erklärt. Aus Sicht des Verbandes zeige der Test aber, dass für Patientinnen und Patienten nicht nur der Preis eine Rolle spiele. Wichtig seien auch Verfügbarkeit, Beratung und die Geschwindigkeit der Versorgung.

Versorgung noch am selben Tag

Nach Angaben der Stiftung Warentest lag die Lieferzeit bei den untersuchten Versandhändlern bei ein bis zwei Tagen. Die Autoren des Tests ziehen daraus den Schluss: „Das ist wegen der Transportwege angemessen, zeigt aber: Wer schnell etwas braucht, nutzt – falls möglich – am besten Apotheken vor Ort. Sie haben Arzneien vorrätig beziehungsweise können sie oft noch am selben Tag beschaffen oder nach Alternativen schauen.“

Olivia Kalverkamp, Vorsitzende der AVWL-Bezirksgruppe Münster, sieht darin einen Hinweis auf Unterschiede im Leistungsangebot. „Das unterstreicht unseres Erachtens, wie unterschiedlich das Leistungsportfolio der Vor-Ort-Apotheken ist“, sagt Kalverkamp. Gerade bei akut benötigten Arzneimitteln könne die unmittelbare Verfügbarkeit ein entscheidender Vorteil sein. Vor-Ort-Apotheken prüften etwa bei Lieferengpässen, ob geeignete Alternativen verfügbar seien, damit eine Therapie rechtzeitig begonnen werden könne.

Beratung und Sicherheit

Auch bei der Beratung verweist der Verband auf die Ergebnisse des Tests. Demnach fiel die Qualität einzelner Beratungsleistungen bei den untersuchten Versandapotheken unterschiedlich aus. In einzelnen Fällen seien Hinweise zu Gegenanzeigen, Wechselwirkungen oder zur Anwendung nicht vollständig erteilt worden. „So etwas kann im schlimmsten Fall zu einem erheblichen Gesundheitsrisiko führen“, sagt Kalverkamp.

In der Apotheke vor Ort könnten Patientinnen und Patienten nicht nur Fragen stellen. Dort bestehe auch eine aktive Pflicht zur Beratung und Information, unter anderem zu Wechselwirkungen, so Kalverkamp weiter. Dies leiste aus Sicht des Verbandes einen wichtigen Beitrag zur sicheren Anwendung von Arzneimitteln.

Notdienst und weitere Leistungen

Nicht Gegenstand des Tests war nach Angaben des Verbandes das gesamte Leistungsangebot von Versandhändlern und Apotheken vor Ort. Dazu zählt der AVWL etwa den Nacht- und Notdienst. „Wer mitten in der Nacht Schmerzen bekommt, kann nicht auf das Paket eines Versandhändlers warten“, sagt Kalverkamp. Hinzu kämen pharmazeutische Dienstleistungen wie Blutdruckchecks und Impfungen. Kalverkamp verweist außerdem auf die Apothekenreform. Der Gesetzgeber habe die Apotheken beauftragt, künftig weitere Leistungen in der Prävention und Primärversorgung zu übernehmen.

Der AVWL-Vorstandsvorsitzende Thomas Rochell nimmt in diesem Zusammenhang Bezug auf eine Entscheidung des Landgerichts Köln. Demnach sei es einem ausländischen Versandhändler rechtskräftig untersagt worden, mit der Aussage zu werben, er biete Kunden alles, „was eine echte Apotheke ausmacht“. Diese Aussage sei irreführend, weil der Versandhändler nicht alles leisten könne, was Apotheken vor Ort leisteten. „Echte Apotheken gibt es eben nur vor Ort. Und deshalb muss die Politik dieses flächendeckende Netz und damit die Versorgung der Menschen weiter sichern – und zwar immer wieder aufs Neue. Das bleibt eine stete Aufgabe.“

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