Allergiezentrum soll komplexe Fälle bündeln UKM setzt auf interdisziplinäre Behandlung

Susanne Stemmler (2.v.l.) wird durch ein Team des UKM betreut (v.l.): Dr. Inga Nierkamp (Oberärztin in der HNO-Klinik), Dr. Mathias Sulk (Leiter der Allergologie der Hautklinik) und Priv.-Doz. Dr. Michael Mohr (Sektionsleiter der Pneumologie). (Foto: UKM)
Susanne Stemmler (2.v.l.) wird durch ein Team des UKM betreut (v.l.): Dr. Inga Nierkamp (Oberärztin in der HNO-Klinik), Dr. Mathias Sulk (Leiter der Allergologie der Hautklinik) und Priv.-Doz. Dr. Michael Mohr (Sektionsleiter der Pneumologie). (Foto: UKM)

Das Universitätsklinikum Münster (UKM) hat im Oktober 2025 das Allergiezentrum Nord-West gegründet. Dort sollen Patientinnen und Patienten mit allergischen Erkrankungen umfassend und koordiniert betreut werden, vor allem dann, wenn Beschwerden mehrere Organsysteme betreffen und sich nicht eindeutig einem Fachgebiet zuordnen lassen.

Ein Beispiel ist Susanne Stemmler aus Drensteinfurt. Die 62-Jährige leidet seit ihrem 25. Lebensjahr an Heuschnupfen und einer Birkenpollenallergie mit Kreuzreaktionen, unter anderem auf Kernobst und Nüsse. Eine Hyposensibilisierung habe die saisonalen Beschwerden gebessert. Zusätzlich traten nach Angaben der Patientin immer wieder Nasenpolypen auf, die mehrfach operiert werden mussten. Im Laufe der Jahre kamen Asthma, Husten und zunehmende Luftnot hinzu. „Meine Beschwerden haben sich über Jahre immer weiter ausgedehnt. Es war nie nur eine Allergie, sondern immer ein ganzes Bündel an Problemen“, berichtet Stemmler.

Krankenhaus und Notarzteinsätze

Besonders belastend sei das Jahr 2024 gewesen: Nach der Einnahme eines Antibiotikums habe sie einen anaphylaktischen Schock erlitten und sei notfallmäßig ins Krankenhaus eingeliefert worden. Es folgten weitere Notarzteinsätze nach Medikamenteneinnahme. „Ob Kopf- oder Halsschmerzen, ich habe Angst bekommen, überhaupt Medikamente einzunehmen“, sagt Stemmler. Am UKM wurde im Dezember 2025 nach Angaben des Klinikums eine Allergie gegen Aminopenicilline diagnostiziert. „Eine echte Allergie gegen Aminopenicilline ist tatsächlich seltener als angenommen, obwohl viele Menschen denken, sie seien allergisch; nur etwa 1 Prozent der Bevölkerung hat eine echte, bestätigte Penicillin-Allergie, während bis zu 10 Prozent eine solche berichten“, erklärt Zentrumssprecher und Leiter der Allergologie der Hautklinik, Dr. Mathias Sulk. Stemmler erhielt einen Allergiepass, in dem die Allergien dokumentiert sind.

Enges Zusammenspiel der Fachrichtungen

„Gerade bei komplexen Verläufen ist eine präzise Diagnostik und Therapie nur im engen Zusammenspiel verschiedener Fachrichtungen möglich“, so Sulk. Das Zentrum setze auf regelmäßige Fallkonferenzen und abgestimmte Behandlungswege. Auch Dr. Inga Nierkamp, stellvertretende Zentrumssprecherin und Oberärztin der HNO-Klinik, verweist auf lange Krankheitsverläufe vieler Betroffener: „Durch die enge Verzahnung der Disziplinen können wir Zusammenhänge erkennen und Therapien individuell aufeinander abstimmen.“

Zertifizierung geplant

Für Stemmler wird im Zentrum nach Angaben des UKM der Einsatz einer Antikörpertherapie mit sogenannten Biologika geprüft. „In erster Linie soll die Therapie meine Beschwerden im Bereich Nase, Nasennebenhöhlen und das Asthma verbessern“, sagt sie. „Ich bin zuversichtlich, dass sich meine Lebensqualität dadurch deutlich steigert.“ Das Zentrum habe zudem die Zertifizierung zum „Comprehensive Allergy Center“ beantragt, das Prüfverfahren sei für April geplant.

Im Allergiezentrum sind unter anderem die Klinik für Hautkrankheiten, die HNO-Klinik sowie die Medizinischen Kliniken A, B und D beteiligt, darunter die Pneumologie. Eingebunden sind zudem die Kinder- und Jugendmedizin, die Psychosomatische Medizin und das Zentrallabor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert