Aidshilfe: Red Velvet Party bis tief in die Nacht 40. Jubiläum lockte zahlreiche Gäste in die B-Side

Missass Nostalgia (links) und Fanny n’Boots boten Drag Performance unter dem roten LED-Herz der B-Side. (Foto: Bastian E.)
Missass Nostalgia (links) und Fanny n’Boots boten Drag Performance unter dem roten LED-Herz der B-Side. (Foto: Bastian E.)

Das Motto „RED VELVET“ der Jubiläumsparty der Aidshilfe zog sich am Samstag buchstäblich wie ein roter Faden durch den Abend. Das rote LED-Herz der B-Side, der rote Teppich am Empfang, die rote Schleife am Revers vieler Gäste. Hier galt Rot nicht als Warnfarbe, sondern als Symbol des Willkommenseins und der Gemeinschaft. Viele Gäste hatten sich im Vorfeld Tickets für die RED VELVET Party besorgt, es gab nur noch wenige Restkarten an der Abendkasse.

Bereits am 30. Januar hatte die Aidshilfe in das Bennohaus eingeladen, um bei einer Ausstellung und Podiumsdiskussion in Anwesenheit von OB Tilman Fuchs das 40. Jubiläum der Fachstelle für Sexualität und Gesundheit zu feiern. Gemeinsam blickte man dabei auf vier Jahrzehnte zurück, in denen die Aidshilfe gewachsen ist und sich mit Unterstützung zahlreicher Ehrenamtlicher zu einer breit aufgestellten Selbsthilfeorganisation entwickelt hat. Eine Ausstellung mit vielen Archivfotos lud dazu ein, mit Stolz auf das Erreichte zurückzublicken.

Ein roter Teppich führte zur Red Velvet Party. (Foto: Bastian E.)

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Inhalte und Angebote des Vereins deutlich ausdifferenziert. Neben Beratung zu sexuell übertragbaren Infektionen und sexueller Gesundheit unterstützt die Fachstelle heute unter anderem queere Familien, queere Menschen mit Kinderwunsch sowie trans*, inter* und abinäre Menschen.

Seit 1990 gab es immer wieder Events der Aidshilfe, um die Community in entspannter Atmosphäre zusammenzubringen. Eine feste Konstante war über viele Jahre der HUSCH-Ball. In anderer Form knüpfte nun die RED VELVET PARTY an diese Tradition an und lud vergangenen Samstag dazu in die B-Side am Mittelhafen ein.

Eine Party so bunt wie die Gäste

Das Programm der RED VELVET PARTY war genau so bunt und vielfältig wie seine Gäste. Die Vorstandsmitglieder Brigitte Schnaars und Pauline Schmittwilken betraten unter Applaus die Bühne in der großen Halle der B-Side, die bis auf den letzten Platz gefüllt war. Nach Worten des Dankes der beiden Vorstandsmitglieder und Wertschätzung der Arbeit aller über die vielen Jahre hinweg, begann mit dem „Queer Poetry Slam“ das eigentliche Programm des Abends.

Nach kurzer Anmoderation von Birte Stolte betrat Jana Goller die Bühne, die seit zehn Jahren fester Bestandteil der deutschsprachigen Poetry Slam-Szene ist. Die Autorin aus Wipperfürth schaffte es auf der Bühne sehr unterhaltsam, die Struggles, die man als queere Frau in dieser Gesellschaft hat, in Gags und tiefgründige Texte zu übersetzen. Applaus und Lacher machten deutlich, dass einige Gäste sich mit den pointierten Alltagssituationen von Jana Goller definitiv identifizieren konnten.

Weiter ging es im Programm mit Stef, der seit 2014 mit Texten zu Themen wie Queerness und mentaler Gesundheit die Kleinkunstbühnen im deutschsprachigen Raum unterhält. Ob Dating-Apps, Schüchternheit oder Vorurteile, auch seine persönlichen Erfahrungen, eingebettet in launigen Poetry Slam, wussten zu unterhalten.

Gelebte Vielfalt

Was wäre eine queere Party ohne eine Drag Performance? Richtig, nicht bunt, nicht laut und nicht verrucht genug. Die Drag Performance von Fanny n’Boots und Missass Nostalgia bot genau das unter anderem zu den Klängen von Bonnie Tyler. Das Publikum applaudierte, kreischte und sang lauthals mit: „And I need you now tonight, and I need you more than ever (…) a total eclipse oft he heart“. Ob auf der Bühne oder mitten im Publikum, die Performance begeisterte vor allem durch ihre Interaktion und lockere Art.

Ein gemeinsames Date hatten aber definitiv alle Gäste an diesem Abend, nämlich das mit der Tanzfläche. Die wurde vom Live Act „Frisch Blondiert“ eröffnet. Das Trio ist eine energiegeladene Band, die mit kraftvollen Live-Vocals und pulsierenden Trance-Beats schnell für Stimmung sorgte. Im Mittelpunkt ihrer Musik standen auch auf der RED VELVET PARTY ganz klar Female Empowerment und Selbstliebe.

Weiter ging es mit verschiedenen DJs, die bis weit nach drei Uhr morgens den Dancefloor fest im Griff hatten. Dass Musik und Tanz Menschen verbinden können, hat die RED VELVET PARTY mehr als bestätigt, dass gelebte Vielfalt ein Leichtes ist, umso mehr.

Persönliche Worte

Ralf Bolhaar im April 2010. (Foto: Bastian E.)

An dieser Stelle möchte ich zum Schluss noch ein paar persönliche Worte äußern: Der langjährige und beliebte wie hochgeschätzte Mitarbeiter der Aidshilfe, Ralf Bolhaar, verstarb bereits im März 2025 im Alter von 57 Jahren plötzlich und unerwartet. Ralf war für mich seit 1999 Ansprechpartner für viele Events, die ich begleitet habe, ob im alten Dockland am Hafen, im Ex-Bad am Germania Campus, im Café Uferlos oder in der Mensa am Ring.

Lieber Ralf, der gemeinsame persönliche Austausch in deinem Büro, deine lockere Art, wenn man sich zufällig in der Stadt begegnete, die Ideen die man zusammen umsetzte, die letzten Beats zu denen man morgens zusammen auf der Tanzfläche tanzte. Du fehlst unglaublich und ich sage Danke für die vielen schönen Erinnerungen.

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