Agulabat und Tabaluga Der erste Eindruck kann täuschen

Eine Arbeit von Tobias Drom aus Oelde. (Foto: Josef Scheller)
Eine Arbeit von Tobias Drom aus Oelde. (Foto: Josef Scheller)

Hand aufs Herz: Sind Ihre Wahrnehmungen und Gedankengänge eher positiv? Und direkt dazu die zweite Frage: Wie viel Prozent der täglichen Nachrichten stimulieren Sie negativ? Es scheint, dass die menschliche Psyche stärker auf negative Nachrichten reagiert. Werden diese als wichtiger für das Überleben eingestuft? Dass positive Nachrichten weniger Akzeptanz bekommen und sogar irgendwann uninteressant, gar wertlos erscheinen, zeigen zwei Experimente.

  1. Die „Good News Mansfield“, eine lokale Zeitung in den USA, druckte von Beginn an grundsätzlich nur positive Nachrichten. Sie verschwand bald wieder geräuschlos und ohne Aufsehen zu erregen, weil es nicht gelang, genügend Werbeeinnahmen und Leser zu finden.
  2. 2014 führte die russische Nachrichten-Website „City Reporter“ aus Rostow am Don ein Experiment durch. Sie veröffentlichte einen Tag lang nur positive Schlagzeilen und verlor an diesem Tag rund zwei Drittel ihrer Leserschaft.

Sind also positive Nachrichten für die breite Masse nicht attraktiv genug? Negatives Denken stellt sich unbewusst beim ersten Zusammentreffen mit fremden Personen ein. Evolutionär bedingt sind Menschen gegenüber Unbekannten und Unbekanntem misstrauisch. Fremdsprachen, Hautfarbe, Bekleidung (Burka), Negativwörter (krank, böse, wertlos) und Musikrichtungen (Punk, Rap, Rock) verstärken Sicherheitsdenken und dem folgend ablehnendes Verhalten. Eine besondere Beziehung zu Münster haben diese zwei Persönlichkeiten. Welche von den beiden ist Ihnen bedenklich und mit welcher könnten Sie sich eine Freundschaft vorstellen?

Persönlichkeit Agulabat

Er ist bekannt wie ein bunter Hund. Man sieht es ihm an, er geht auf die 80 zu. Seine Eltern sind Ausländer. Als Einzelkind wuchs er auf. Nach zweimaligem Sitzenbleiben musste er das Gymnasium verlassen und begann eine Lehre, die er ebenfalls unvollendet abbrach. Als Rocker wurden für ihn durchzechte Nächte zur Normalität. Er rauchte täglich über 70 Zigaretten und trank als Alkoholiker zwei bis drei Flaschen Whiskey am Tag – solange, bis bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert wurde. Seine Devise war: Leben am Limit. Er fährt schwere Motorräder. Vier gescheiterte Ehen hat er hinter sich.

Persönlichkeit Tabaluga

Er wurde in Kronstadt, Siebenbürgen, geboren. Als siebenjähriges Kind begann er bereits, Geige zu spielen. Mit 14 wechselte er zur Gitarre, die er sich als fleißiger Junge durch Nebenjobs am Bau zusammengespart hatte. Er liebt moderne Musikrichtungen über alles und strapazierte dafür sogar seine Gesundheit. Mit über 50 Millionen Tonträgern ist er einer der erfolgreichsten Musiker. Sein Vermögen wird auf 25 Millionen Euro geschätzt. Er ist bekannt für sein soziales Engagement, für gelungene karitative Taten besonders für Kinder und Jugendliche. Er ermöglicht ihnen Erholungsaufenthalte auf Mallorca, in Rumänien und in Bayern. Dazu gründete er eine Stiftung. Seine Kinderbücher und Musicals sollen Jugendlichen Themen wie Toleranz und Umwelt vermitteln. Er betreibt einen Biohof. Immer aufs Neue motiviert ihn, mit spontanen Großspenden anderen zu helfen. Er besitzt das Bundesverdienstkreuz.

Das farbintensive Bild von Peter Maffay wurde von Tobias Drom geschaffen, einem Hobby-Plakat- und Wandmaler aus Oelde. (Fotos: Tobias Drom)
Das farbintensive Bild von Peter Maffay wurde von Tobias Drom geschaffen, einem Hobby-Plakat- und Wandmaler aus Oelde. (Fotos: Tobias Drom)

Welche zwei Personen verbergen sich hinter Agulabat und Tabaluga? Bestimmt haben Sie es längst herausgefunden: Beide Persönlichkeiten sind ein und dieselbe Person. Richtig: Peter Maffay. Eine freundschaftliche Verbindung pflegt er zu dem münsterschen Musiker und Bassisten von Udo Lindenberg, Steffi Stephan; „Supertyp!“, nennt er ihn. Und nicht vergessen: Sein aus Burgsteinfurt stammender Schlagzeuger Bertram Engel. Er ist seit 1976 zentrales Mitglied von Peter Maffays Band. Im Laufe seiner Karriere gastierte Peter Maffay mehrere Male in Münster. Das Highlight war ein Konzert vor 19.000 Fans in Hiltrup. 2009 trat er in der Halle Münsterland auf. Freunde der Rockmusik haben heute noch den Sound der Open-Air-Veranstaltung auf dem Schlossplatz in den Ohren. Und für seine Stiftung Tabaluga gab es 2019 eine wahre Maffay-Mania im Marktkauf Loddenheide. 2018 wurde er in der Region Bistum Münster mit der Buber-Rosenzweig-Medaille für sein gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet. Sein Pinnacle aber ist und bleibt der Maffay-Fanclub Münsterland.

Tabaluga, das wohl bekannteste Projekt von Peter Maffay für Kinder. (Foto: Josef Scheller)
Tabaluga, das wohl bekannteste Projekt von Peter Maffay für Kinder. (Foto: Josef Scheller)

Fazit

Nicht jede/r und alles, was anfangs ungewöhnlich oder gar suspekt erscheint, ist negativ einzustufen. Und ebenso muss nicht jede/r und alles, was vertraut und vertraulich daherkommt, positiv sein. Das gilt insbesondere für Informationen und Nachrichten, mit denen wir täglich überflutet werden. Nicht vergessen: Von jeder Tageszeitung erwartet man die neuesten Begebenheiten – auch dann, wenn einmal gar nichts Besonderes in der Welt passiert ist. Und ebenso dauert jede 20.00-Uhr-Tagesschau 15 Minuten, die gefüllt werden müssen. Bei aller Skepsis lohnt es sich zumindest, über etwas Positives nachzudenken. Zu guter Letzt: Nicht jeder Obdachlose ist ein Stromer. Und ganz sicher ist kein „Polizist“, der sich am Telefon um die Sicherheit Ihres Vermögens bemüht, ein Gutmensch.

Unterstütze unsere Arbeit

Unser Lokaljournalismus ist dir mehr wert als nur ein Like? Jetzt spenden!

EUR
Du wirst zu PayPal weitergeleitet.

Ein Kommentar

  1. Das ist mal wieder ein cooler Josef Scheller Artikel. Ich lese sie immer gerne. Interessante Themen auf den Punkt gebracht, mit Humor gewürzt.
    Weiter so!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert