Letzte Fahrt mit Sonderzug 234 Münster verabschiedet Eisenbahner Achim Beckers

Der Zug von Mönchengladbach nach Münster trug den Namen „Achim kehrt heim“ – sichtbar am Zuglaufschild mit Trauerschleife. (Foto: Bernhard Stratmann)
Der Zug von Mönchengladbach nach Münster trug den Namen „Achim kehrt heim“ – sichtbar am Zuglaufschild mit Trauerschleife. (Foto: Bernhard Stratmann)

Es war eine Trauerfeier, wie man sie nur selten erlebt. Am Montag erreichte der Sonderzug 234 der Centralbahn um 11.13 Uhr Gleis 11 des Hauptbahnhofs Münster – an Bord die Urne von Achim Beckers. Eine letzte Fahrt, die der Verstorbene noch selbst plante. Eine Fahrt in der Tonkabine, die er mit eigenen Händen gebaut hat. Eine Fahrt, die so viel über ihn erzählte wie kaum ein Nachruf es könnte und die dann im Bestattungswagen von Michaelis zum Friedhof führte.

Achim Beckers war Eisenbahner mit Leib und Seele. Seine Begeisterung begann früh: Seine erste Fahrkarte – datiert auf den 8. Januar 1971 für den Zug E1905 – bewahrte er bis heute auf. Und es blieb nicht bei einem Ticket. Beckers sammelte alle Fahrscheine, die ihm jemals in die Hände kamen. Fahrspaß war für ihn keine Freizeit – es war ein Lebensentwurf. Mit dem Juniorpass, später mit dem Tramper-Monatsticket, erkundete er die Republik. Sein Motto: „Wo ich noch nicht war, muss ich noch hin.“ Und er meinte es ernst. Jede Strecke dokumentierte er penibel, mit Datum, Linie und Stempel der Schaffner. Fahrpläne kannte er auswendig wie andere Menschen Gedichte.

Seine Leidenschaft führte ihn bis nach Berlin, um die DDR-Schienenwelt zu bereisen. Ende der 70er stieß er zu einem Dampflokverein, wo er Loks putzte, Kohle schaufelte und später für Elektrik und Musiktechnik zuständig war – eine Tradition, die bis heute weiterlebt. Genau dort, wo er unzählige Stunden verbracht hatte, stand nun seine Urne auf ihrer letzten Reise. 1986 wechselte Beckers zum Eisenbahn-Kurier Verlag, später zur Centralbahn in der Schweiz und in Mönchengladbach. Arbeit und Privatleben waren bei ihm untrennbar. Er organisierte, plante, verkabelte – rund um die Uhr, 24/7. Und immer mit dieser besonderen Mischung aus Präzision, Humor und tiefem Engagement.

Der rote Sonderzug 234 im Hauptbahnhof Münster: Mit ihm trat Achim Beckers seine letzte Reise an. (Foto: Bernhard Stratmann)
Der rote Sonderzug 234 im Hauptbahnhof Münster: Mit ihm trat Achim Beckers seine letzte Reise an. (Foto: Bernhard Stratmann)

Medien berichteten immer wieder über den Mann, der „seine ganze Freizeit im Zug verbringt“. Neben den Schienen liebte Beckers Frankreich, seinen festen Camping-Stammplatz (seit 2006 immer derselbe), seine Musikanlagen – und Teddybären. Die Playlist der Trauerfeier, durch die Trauerredner Frank Beckert führte, spiegelte seine Biografie wider: „Am Fenster“ von City, „Der Mann mit der Mütze“ von Udo Jürgens und zum Abschied „Niemals geht man so ganz“. Am Grab erklang Alan Parsons Project – Musik, die er selbst immer nutzte, um seine Technik zu testen. Laut. Leidenschaftlich. Echtes Achim-Feeling.

Sein Leitspruch, oft von ihm getragen auf einem T-Shirt, lautete: „Ich bin Eisenbahner. Ich höre nicht auf, wenn ich müde bin. Ich höre auf, wenn ich fertig bin.“ So hat Achim Beckers dann aufgehört – auf seine ganz eigene, konsequente, liebevolle Art. Seine letzte Fahrt endete auf dem Friedhof St. Mauritz in Münster, wo er im Kreise seiner Familie beigesetzt wurde. Mit Tränen. Mit Dankbarkeit. Und mit einem Lächeln darüber, dass er genau der war, der er immer sein wollte.

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