
Ein letzter Abend für den scheidenden Oberbürgermeister vor 400 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Kirche und Stadtgesellschaft mit namhaften Gastrednern, das hätte auch anstrengend werden können. Nicht so bei der Verabschiedung von Markus Lewe am Donnerstagabend im Rathausfestsaal, bei der sich in allen Reden der Humor des Stadtoberhaupts widerspiegelte, auch wenn es unter den Festrednern offenbar die Übereinkunft gab, keine Anekdoten zu erzählen. Was sie haben durchblicken lassen, zeichnete das Bild eines Repräsentanten der Stadt, der insbesondere die Freundschaft zu den Niederlanden, aber auch die Position Münsters in der Mitte Europas im Blick hatte. Und unter anderem mit seiner Lederhose zu beeindrucken wusste.
„Es war ein Abend, der vor allen Dingen auch nochmal deutlich gemacht hat, was für ein Glück es ist, in dieser Stadt und mit diesen Menschen leben zu dürfen“, resümiert Markus Lewe am Ende der Feierstunde in dem Saal, in dem er 16 Jahre lang die Ratssitzungen leitete. Sichtlich gerührt war Lewe, als er vom Überraschungsgast des Abends, dem Kommissar des niederländischen Königs in der Provinz Overijssel, Andries Heidema, den königlichen Orden „Offizier des Ordens von Oranien-Nassau“ verliehen bekam. Als starker Motor in der Grenzregion habe Heidema Lewe immer wieder erlebt, als gefragten Politiker mit großem Wissen, wenn es um die Niederlande geht.

Als erster Gastredner betrat Stadtdirektor Thomas Paal die Bühne und machte direkt zu Beginn deutlich, dass es kaum möglich sei, Markus Lewe als Oberbürgermeister in Zahlen, Daten und Fakten zu charakterisieren. Eine Feststellung, die sich wie ein roter Faden durch die Reden des Abends zog. Schneechaos, Starkregen, Flüchtlingswelle, Amokfahrt, Fischsterben im Aasee, Corona, der Ukrainekrieg und der Terrorangriff der Hamas auf Israel, es galt während Lewes Amtszeit viele Krisen zu bewältigen, „Gut, dass wir in all den Jahren Markus Lewe als Oberbürgermeister hatten!“, wie Paal unter dem Beifall der Gäste betonte. Er habe den Fokus aber nicht nur auf die großen nationalen und internationalen Themen gelegt, sondern sei immer wieder sehr dicht bei den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt gewesen und habe die Tore des Rathauses für sie geöffnet.
NRW Ministerpräsident Hendrik Wüst konnte wegen eines Termins in den Niederlanden nicht an der Feier teilnehmen, sendete aber eine Videobotschaft, in der er Lewe unter anderem dafür dankte, dass er ihm immer wieder gute Ratschläge gegeben hätte. In Münster fühlen sich die Menschen wohl, wie das Landesoberhaupt sagt und der Oberbürgermeister könne stolz auf das Vertrauen sein, das die Bevölkerung ihm entgegenbringe. Der Präsident des deutschen Städtetags und Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, Burkhard Jung, bezeichnete Lewe in seiner Rede als zupackenden Mutmacher. Er erinnerte sich an die Zeit, als die Bundeskanzlerin Angela Merkel 2015 angesichts der Flüchtlingsströme den Satz „Wir schaffen das!“ prägte. „Wir haben das beide gut gefunden!“, wie Jung betonte. Lewe sei ein Politiker mit Herz, Verstand und Weitsicht und eine gewichtige Stimme Münsters sowohl auf Landes-, als auch auf Bundesebene gewesen.

Die Freundschaft zu den Niederlanden
Der ehemalige Bürgermeister Enschedes, Dr. Onno van Veldhuizen, sorgte während des Interviews mit der Moderatorin der Veranstaltung, Eva-Maria Jazdzejewski, für mehr als einen Lacher. Mit einem kurzen, witzigen Schmähgedicht des niederländischen Dichters Willem Andries Wilmink auf die Stadt Enschede stimmte er die Zuhörerinnen und Zuhörer augenzwinkernd ein. Mit offensichtlicher Freude erinnerte er sich an den Ämtertausch zwischen ihm und Lewe, der „juristisch sehr schwierig“ gewesen, aber von beiden Stadtoberhäuptern unbedingt gewollt gewesen sei. „Das war wie eine Mischung aus Ferien und Arbeit und in Münster war es für mich ein Gefühl von Zuhause.“

Echte schauspielerische Qualitäten bewiesen Münsters Bürgermeisterinnen und Bürgermeister Angela Stähler, Maria Winkel und Klaus Rosenau, die sich sketchartig an die Zeit vor einem Jahr zurückerinnerten, als Markus Lewe bekanntgab, nicht wieder zur Wahl antreten zu wollen. „Ich finde den Markus Lewe so nett, dass ich ihn im Rat nie so richtig angreifen konnte. Aber bitte nicht weitersagen, sonst bin ich in der SPD geliefert!“, wie die Sozialdemokratin Winkler unter dem Applaus und Gelächter der 400 Gäste zugab. Dass Lewe meist mit dem Fahrrad unterwegs sei, gefiel dem grünen Bürgermeister Rosenau naturgemäß besonders gut. Wenn er dann die Regenhose auszog, kam oft die „geile Wildlederhose“ zum Vorschein, wie Winkler unter dem tosenden Gelächter der Festgäste zum Besten gab. Stähler attestierte Lewe am Ende des Auftritts „offene Ohren, ein offenes Herz und Weitblick“.
Den Abschluss machte Lewe selbst, der das Ende seiner Aufgabe als Oberbürgermeister nicht als Schlussstrich, sondern als einen Moment zwischen gestern und morgen betrachte. Nochmals betonte er, dass die Freundschaft zu den Niederlanden eine große Chance sei, die es auszubauen gelte, auch mit Blick auf Europa. Münster sei für ihn nicht in erster Linie der Prinzipalmarkt, sondern die vielen Menschen, die sich auf unterschiedlichste Weise sozial für andere engagieren. Münster erfinde sich immer wieder neu, ohne sich zu verlieren, „Wir alle wurden in das Schwarze der Dartscheibe hineingeboren!“, ist sich Lewe am Ende seiner Rede sicher.
Musikalisch sorgten die Zucchini Sistaz für den passenden Rahmen, die den Oberbürgermeister am Ende des Abends mit einem a-cappella-Ständchen verabschiedeten.
Fotos: Thomas Hölscher
