
Der Rosenmontag begann heute für viele Narren in Münster mit einem bangen Blick aus dem Fenster: Führt der über Nacht gefallene Schnee etwa zu einer Absage des Rosenmontagszugs? Der dafür zuständige Bürgerausschuss Münsterscher Karneval (BMK) gab in Absprache mit der Stadtverwaltung früh Entwarnung. So konnte der größte Karnevalszug Westfalens nahezu planmäßig um 12:11 Uhr am Schlossplatz abfahren – und lockte wieder zahlreiche Menschen in Feierlaune auf die Straßen von Münsters Innenstadt.
Kurz bevor die Wagen um 12:11 Uhr auf dem Schlossplatz gestartet sind, kamen sogar die ersten Sonnenstrahlen heraus. Mit ihr strahlte Prinz Christian II. um die Wette, als er seiner Prinzengarde und der karnevalistischen Stadtwache dankte, bevor er seinen Wagen bestieg: „Einmal auf dem letzten Wagen stehen, Rosen und Kamelle werfen für mein Volk – ich freu mich riesig drauf!“
Währenddessen stand Oberbürgermeister Tilman Fuchs neben BMK-Präsident Thorsten Brendel auf dem Sentenzbogen, dem Balkon am Rathaus, aus dem ihn gestern eigentlich der Karnevalsprinz vertrieben hatte. Er sei „inkognito“ da, meinte Fuchs verschmitzt, tatsächlich trug er aber einen sehr auffälligen bunten Anzug und eine pinkfarbene Langhaar-Perücke. Vom Sentenzbogen moderierte Thorsten Brendel zusammen mit Saskia Zahlten das Geschehen auf dem Prinzipalmarkt, wo die ersten Wagen gegen 14:30 Uhr ankamen. Zwei Stunden später fuhr dann auch der letzte und 119. Wagen, nämlich der des Prinzen vor das Rathaus.
„Das höchste aller Gefühle!“
„Ein super großer Montagsumzug“, sagte uns Prinz Christian II. hinterher. „Es ist trocken geblieben, das war mein Wunsch. Es war fantastisch: die strahlenden Gesichter, die Kamelle, die wir geworfen haben… Ich bin überglücklich, dass ich das erleben durfte auf dem Prinzenwagen. Das war für mich das Höchste aller Gefühle. Danke Münster!“
Auch BMK-Präsident Thorsten Brendel äußerte sich zufrieden: „Also ich fand Münster heute tatsächlich sehr jeck, es waren viele Menschen verkleidet und das ob der Kälte! Es haben trotzdem wirklich viele wirklich tolle, auch Gruppenkostüme, gehabt. Das hat mir persönlich sehr gefallen.“ Ein besonderes Highlight sei für ihn die Fußgruppe der AKG Emmerbach-Geister aus Amelsbüren gewesen, die dafür mit Platz 1 belohnt wurden: „Das war mit so viel Liebe und so viel Stunden Arbeit gemacht, wie ich mitbekommen habe. Das war schon wirklich phänomenal!“
Natürlich haben wir ihn auch gefragt, wie knapp, wie kritisch die Entscheidung am Morgen nach dem Schneefall war. Obwohl es dazu tatsächlich zwei Sicherheitskonferenzen gab, sei Brendel dabei „eigentlich ziemlich entspannt“ geblieben: „Wir haben mit Ordnungsamt und Feuerwehr nochmal alles abgeklärt. Aber dadurch, dass es moderater Schneefall war und wir keine Glätte hatten, war es relativ entspannt, so dass es heute Morgen eigentlich gar nicht so krass auf der Kippe stand.“
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Laut Marian Waltersmann, dem Zugkommandant des BMK, waren es etwa 90.000 Jecken, die den Fußgruppen und den 119 Wagen zujubelten und dafür mit Kamellen und Blumen belohnt wurden. Die Polizei Münster hielt sich dagegen zurück mit einer konkreten Schätzung der Teilnehmerzahl. Sie meinte aber festgestellt zu haben, dass der Besucherandrang insgesamt geringer ausfiel als im Vorjahr. Nur vereinzelt mussten die Einsatzkräfte der Polizei einschreiten. Bis zum Abend fertigten sie zehn Strafanzeigen – unter anderem wegen Körperverletzungen – und sprachen drei Platzverweise aus. Für so eine große Veranstaltung ist das nicht viel.
#imEinsatzfürMünster
Erwartungsgemäß mehr zu tun hatten die Kollegen vom Sanitätsdienst. Den stellte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) unter der Gesamteinsatzleitung der Feuerwehr Münster und unterstützt von über 100 Ehrenamtlichen vom Arbeiter-Samariter-Bund, den Maltesern, der DLRG sowie befreundeten Rotkreuzverbänden, alle vereint unter dem Motto #imEinsatzfürMünster. Für das DRK handelte es sich damit um den größten geplanten Einsatz des Jahres. „Was die ehrenamtlichen Einsatzkräfte hier leisten, ist alles andere als selbstverständlich. Sie investieren ihre Freizeit, übernehmen Verantwortung und sorgen mit großem Engagement dafür, dass eine Karnevalsveranstaltung dieser Größe sicher stattfinden kann“, betonte die Einsatzleitung.
Insgesamt haben die ehrenamtlichen Einsatzkräfte 50-mal medizinische Hilfe geleistet. 15 Personen wurden zur weiteren Behandlung in umliegende Krankenhäuser transportiert. Ein fester Bestandteil des Einsatzkonzeptes war erneut die Zusammenarbeit mit der städtischen Kampagne „Voll ist out“ sowie mit der Aktion „Luisa ist hier“ des Frauen-Notrufs sowie dem Awareness Teams. Die Kooperationen tragen dazu bei, riskantem Alkoholkonsum vorzubeugen, Hilfeangebote sichtbar zu machen und insbesondere Frauen und Mädchen in belastenden oder bedrohlichen Situationen niedrigschwellige Unterstützung zu ermöglichen.
Eine Herausforderung für solche Großveranstaltungen sind die zunehmenden Sicherheitsauflagen. Es war „wie im letzten Jahr ein zweiter Vollzeitjob, alles zu regeln und in die Wege zu leiten“, meinte Zugkommandant Marian Waltermann. „Die Polizei hatte noch Verbesserungen für dieses Jahr gewünscht, die im letzten Jahr aufgefallen sind. Die Sachen haben wir aber Dank der Unternehmen und der Firma Tovar, die die „Oktablöcke“ aufgestellt hat, gut gemeistert. Wir arbeiten mit dem Ordnungsamt und der Polizei und Feuerwehr gut zusammen. Das ist natürlich immer ein Riesenaufwand, so eine Veranstaltung zu planen“. Fast schon gewohnt sind die rund 50 Fahrzeugsperren, von denen die meisten wieder von der Möbelfirma Höffner gestellt wurden.
„Der Rosenmontagsumzug lief gut!“ fasste Marian Waltermann den heutigen Tag zusammen. „Dass man immer noch Sachen verbessern kann, dass beispielsweise keine großen Lücken entstehen zwischen den Wagen und der Umzug dann angehalten werden muss, dass alle aufschließen können, muss natürlich mit den Teilnehmern nochmal gesprochen werden. Trotz der Probleme heute Morgen mit dem Wetter war es eine gut besuchte Veranstaltung!“
Bewegte Bilder vom heutigen Rosenmontagszug zeigen wir auf unserem Instagram-Kanal:
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