
Ein Stadion ist mehr als Beton und Tribünen, vor allem, wenn es in Münster an der Hammer Straße steht! Das zeigt der neue Band des Coppenrath Verlags, der die Geschichte der Heimat des SC Preußen Münster über ein ganzes Jahrhundert erzählt. Das Buch ist nicht nur spannend erzählt, sondern wird durch die Illustrationen von Robert Nippoldt perfekt komplettiert.
Wer in diesem Sommer durch die Innenstadt spazierte, konnte dem Preußenstadion an überraschenden Orten begegnen. In Schaufenstern rund um Prinzipalmarkt und Lambertikirche zeigten Nippoldts Illustrationen historische Szenen: die Eröffnung des Stadions, legendäre Spiele, Fans, Sportler und Ereignisse aus einem Jahrhundert. Elf Schaufenster und vier Geschäftsfassaden wurden bespielt. Die großformatigen Grafiken sind Teil der Veröffentlichung „100 Jahre Preußenstadion“, das im Coppenrath Verlag erschienen ist und nicht nur eingefleischte Fußballfans begeistern dürfte.

Am 12. Juni 1926 wurde das Preußenstadion an der Hammer Straße eingeweiht. Die neue Sportanlage bot 13.300 Menschen Platz und galt als eines der modernsten Stadien Deutschlands. Genau 100 Jahre später ist von der ursprünglichen Anlage hauptsächlich der Spirit erhalten geblieben, das Stadion wird aktuell für rund 89 Millionen Euro grundlegend um- und neugebaut. Es soll am Ende knapp 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz bieten. Auf 224 Seiten erzählen Hubert Dahlkamp und Dietrich Schulze-Marmeling, ergänzt durch Beiträge von Thomas Austermann, Alexander Heflik, Carsten Schulte, Jörg Weichelt und Marcel Weskamp, von hundert Jahren Stadiongeschichte. Dabei geht es nicht nur um Aufstiege, Abstiege und große Spiele. Im Mittelpunkt stehen auch die Entstehung des Stadions, bauliche Veränderungen, unterschiedliche Epochen und die Menschen, die diesen Ort geprägt haben. Hier entfaltet das Werk eines seiner größten Potenziale, denn der Bau und Betrieb des Stadions war nie nur auf den Verein beschränkt, sie spiegeln die Geschichte der Stadt und des Landes in einer ständigen Wechselwirkung wider und das macht dieses Buch auch für weniger überzeugte Fußball-Fans zu einem wertvollen Überblick über 100 Jahre Münster.
Spiele, Kunst und Konzerte
Das Stadion war nie ausschließlich Fußballplatz. Die Geschichte reicht von der Eröffnung 1926 über sportliche Höhepunkte und Rückschläge bis zu Konzerten, kulturellen Veranstaltungen, der Entwicklung der Fankultur und dem aktuellen Umbau. Die begleitende Jubiläumsausstellung, auf deren Recherchen auch viele Inhalte des Projekts beruhen, erinnert unter anderem an die erste deutsche Radio-Liveübertragung eines Fußballspiels, internationale Jazzkonzerte und das erste Bundesliga-Heimspiel der Preußen gegen den Hamburger SV. Auch die dunklen Kapitel werden nicht ausgespart. Kriegsjahre und NS-Zeit sind Bestandteil der historischen Aufarbeitung. Gerade für die frühen Jahrzehnte mussten erhebliche Lücken in den Quellen geschlossen werden. Dass auch diese Aspekte ihren Platz in der Geschichte des Stadions bekommen, gehört zu den Stärken des Projekts. Aber natürlich ist auch der beeindruckende Durchmarsch 2023 / 2024 zunächst in die dritte und ein Jahr später in die zweite Liga Teil des Werks.

Robert Nippoldt hatte vor dem Projekt kaum Berührungspunkte mit dem SC Preußen. Für seine Illustrationen tauchte er tief in die Geschichte des Vereins, des Stadions und seiner Fans ein. Die daraus entstandenen Bilder bilden historische Situationen nicht einfach ab, sondern geben ihnen eine eigene Atmosphäre. Wer sie im Sommer in der Innenstadt gesehen hat, wird beim Durchblättern des Buches manches wiedererkennen. Aus der temporären Ausstellung wird so ein dauerhaftes Stück Preußengeschichte. Die Illustrationen sind dabei weit mehr als schmückendes Beiwerk. Sie verleihen dem Buch eine eigene visuelle Handschrift und machen historische Ereignisse auf ungewöhnliche Weise anschaulich. Ein weiteres Pfund sind die vielen historischen Fotografien. Sie zeigen Mannschaften und Spiele ebenso wie Tribünen, Fans und bauliche Veränderungen. So verbinden sich Sport- und Stadtgeschichte zu einem Panorama des Ortes. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung könnte passender kaum sein. Während das Buch auf hundert Jahre zurückblickt, wird das Stadion an der Hammer Straße selbst neu erfunden. Tribünen verschwinden, neue entstehen. Der Band dokumentiert damit nicht nur die Vergangenheit, sondern bewahrt Erinnerungen an ein vertrautes Erscheinungsbild, das bald Geschichte sein wird.
„100 Jahre Preußenstadion“, Coppenrath Verlag, 224 Seiten, Hardcover, 29,95 Euro, ISBN 978-3-649-65493-3.
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