EU-Projekt „Localize It“ gegen Komasaufen

Das EU-Projekt „Localize It“ der LWL-Koordinationsstelle Sucht beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) unterstützt europaweit in elf Ländern 22 Kommunen dabei, lokale Alkoholstrategien zu entwickeln und umzusetzen. Dabei steht der Konsum von Minderjährigen sowie Rauschtrinken von jungen Erwachsenen im Fokus.

In Westfalen-Lippe ist das Diakonische Werk in Herford Projektpartner und setzt das Projekt mit den Gemeinden Bünde und Enger um. Dabei geht um Themen wie Elternarbeit, Schulen, Kinder aus suchtbelasteten Familien, Alkohol im öffentlichen Raum, Party-Szenen und Festivals, Flüchtlinge sowie Alkohol im Straßenverkehr. In dieser Woche trafen sich rund 60 Vertreter der Projektpartner, der beteiligten Kommunen sowie weitere Expertinnen der Suchtprävention aus 18 EU-Ländern zum Austausch in Münster.

Rebekka Steffens von der Koordinationsstelle Sucht beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ist die Projektkoordinatorin des EU-Projekts „Localize It“. Alle Partner des Projektes berichten an sie. Die LWL-Suchtexpertin fasst die Ergebnisse zusammen und berichtet an die Europäische Kommission.

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Ist Komasaufen europaweit immer noch ein Problem?

Ja, Rauschtrinken ist und bleibt ein Problem in Europa. Auf europäischer Ebene sieht es so aus, dass im Jahr 2015 rund 35 Prozent der befragten 15- bis 16-jährigen Jugendlichen in einer europäischen Studie an Schulen angaben, in den vergangenen 30-Tagen Rauschtrinken praktiziert zu haben. Um solche problematischen Konsummuster zu reduzieren, müssen Präventionsmaßnahmen genau dort ansetzen, wo der Konsum von Alkohol tatsächlich stattfindet und damit Probleme auftreten – auf der lokalen Ebene.

FWie kann eine solche internationale Tagung helfen, wenn es doch um die lokale Ebene geht?

Bei den EU-Projekten geht es grundsätzlich darum, voneinander zu lernen und nicht immer das Rad neu zu erfinden. Die suchtbezogenen Probleme sind in vielen europäischen Ländern die gleichen, daher hat es mehr Sinn, gemeinsam neue Konzepte zu erarbeiten oder bewährte Konzepte in andere Länder zu übertragen. Bei der Tagung waren sich die internationalen Experten einig, dass es wichtig ist, Jugendlichen Alternativen zum Alkoholkonsum zu bieten. Dazu gehören gute Freizeit- und Sportangebote.

Frage: Gibt es denn nicht gerade in Sportvereinen und Stadien Probleme damit, dass aus dem einen Bier danach übertriebener Alkoholkonsum wird?

Ja, die Gefahr ist groß. Aber es gibt Gegenstrategien wie zum Beispiel das europäische Projekt FYFA. Dieses Projekt setzt ebenso bei internationalen Spitzenspielen in vollen Stadien an, wie auch bei den Jugendlichen im Verein vor Ort. Vereine, die sich in Sachen Jugendschutz engagieren, bekommen ein Siegel, mit dem sie werben können. Bei diesem Projekt sind Partner in Finnland, Großbritannien, Belgien, Rumänien, Italien, Slowenien und Polen dabei. Es reicht aber nicht, sich nur um die Sportvereine zu kümmern. Prävention funktioniert, wenn sie auf mehreren Ebenen wie in der Schule oder direkt im Nachtleben ansetzt. Eine ganz wichtige Rolle haben die Eltern. Sie sollten viel Zeit mit ihren jugendlichen Kindern verbringen, das Thema Alkohol ansprechen, klare Grenzen setzen und sich auch mit anderen Eltern absprechen.

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