Endometriose: Das unterschätzte „Frauenleiden“

Derzeit macht Christel Fröse ein Praktikum in der Klinik von Prof. Dr. Ludwig Kiesel (re.) und Dr. Sebastian Schäfer (li.), um möglichst viel über den Umgang mit der Krankheit zu erfahren. (Foto: UKM)

In jedem Jahr gibt es in Deutschland 40.000 neue Fälle von Endometriose (gutartige Wucherungen von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter). Oft vergehen Jahre bis zur Diagnose und das Gewebe der Gebärmutter kann überall im Körper sein, in seltenen Fälen beispielsweiese sogar in der Lunge.

Christel Fröse leidet unter Endometriose seit sie zwölf war. Die 47-Jährige hat eine langjährige Leidensgeschichte hinter sich.

Acht bis zwölf Jahre dauert es im Schnitt, bis Ärzte die oft diffusen Beschwerdebilder ihrer Patienten richtig zu deuten wissen. Denn die Wucherungen des Gebärmuttergewebes führen zu Verklebungen und Verwachsungen an vielen Organen und sogar Nerven. Hauptsächlich sind der Bauch- und Beckenraum betroffen – grundsätzlich kann das Endometrium aber überall im Körper wachsen.

Bei Christel Fröse führten die Endometriose-Herde zu unerträglichen Unterleibsschmerzen –  für die sie lange belächelt wurde. „Das ist ein ganz typischer Verlauf dieser unterschätzten Krankheit“, sagt Dr. Sebastian Schäfer als behandelnder Gynäkologe der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am UKM. „Die Frauen schleppen jahrelang ihre Schmerzen als vermeintliches Frauenleiden mit sich. Unbehandelt können diese aber chronifizieren. In solchen Fällen verändert sich im Gehirn sogar die Verschaltung der Nerven. So brennt sich der Schmerz ins Gedächtnis ein und dass, obwohl die Ursache – die Endometriose – häufig schon operativ entfernt wurde“, mahnt Prof. Dr. Ludwig Kiesel, Leiter der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am UKM, der mit seinem Team niedergelassene Gynäkologen weiterbildet, damit diese in ihrer Praxis Endometriose schneller als Diagnose in Erwägung ziehen. Das ist besonders für junge Frauen wichtige. Denn die Hälfte aller betroffenen Frauen haben Schwierigkeiten, Nachwuchs zu bekommen.

Bei Christel Fröse sind trotz erfolgreicher Operationen die Schmerzen in den vielen Jahre, in denen die Krankheit unbehandelt war, chronisch geworden. Ihren körperlich sehr fordernden Beruf als Physiotherapeutin kann sie nur noch schwer ausüben. Sie überlegt, künftig als Entspannungstrainerin zu arbeiten, gerade auch mit Endometriose-Patientinnen. Und im UKM anderen Frauen von ihren Krankheitserfahrungen zu berichten.

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