Creatures Hill: Großes Schauspiel und Maskerade im Pumpenhaus

Creatures Hill überzeugt nicht nur mit großartigen Schauspielern, sondern auch mit eindrucksvollen Masken. (Foto: Jörn Hausner)
Creatures Hill überzeugt nicht nur mit großartigen Schauspielern, sondern auch mit eindrucksvollen Masken. (Foto: Jörn Hausner)

Ach wie schön. Frau McConnely hat einen Sohn zur Welt gebracht. Es  ist schon das fünfte Kind und leider der absolute Albtraum. Er hat die Schwester gewürgt, der Katze den Hals umgedreht und im Keller einen Jungen aufgehängt. Das ist alles ganz furchtbar und hat das Zeug zur großen Tragödie. Aber vier Schülerinnen der Berliner Ernst Busch Schule haben dann mit gelungener Maskerade und durch viel Spielwitz eine Färbung  in das Stück gebracht, die sagenhaft skurril ist. Gestern zu sehen im Pumpenhaus: „Creatures Hill.“

Im Bühnenrücken stehen im Abstand etwa eines Meters drei schwarze Pressholzplatten. Dazwischen taucht immer wieder eine oder auch mal zwei der Schauspielerinnen auf, mit einer Maske vor dem Gesicht. Eine Maske, die irgendwie an Kokosnüsse erinnert, und doch künstlerisch so viel mehr ist, mit ängstlichen, schreckgeweiteten Augen und breit gezogenen Mündern und Nasen, die aussehen wie die von Zombies. In der Hand halten sie Kopf und Stoff einer zweiten Puppe, die sie jeweils – mit verstellter Stimme – ebenfalls spielen.

Was soll mit dem Jungen geschehen? Da ist die Mutter, die verzweifelt zwischen Mutterliebe und Angst nicht weiß, was sie tun soll. Da ist die Ärztin, die Tante, die Schwester, die Oma, das Kindermädchen. Der Vater ist mit den drei Ältesten schon abgehauen. Und immer wenn man das Furchtbare der Situation begreifen will, weil es scheinbar keine Lösung gibt, geschieht etwas Absonderliches, Komisches, Groteskes. Da spielt die Tante auch die Oma, die einen Stock braucht und ohne ihr Weihwasser das Haus nicht verlassen will, die dem Enkel lateinische Beschwörungsformeln entgegen schleudert. Da kommt das Kindermädchen blutbefleckt aus dem Keller und vermeldet: „Alles nur Schweineblut“ – als ob das alles erklärt.

Es dürfte wahnsinnig schwer sein, zwei Menschen nahezu gleichzeitig zu spielen, deren Stimme, Bewegung, Habitus. Daher großer Respekt zuvorderst an Maike Drexler, Leonie Euler, Luisa Grüning und Gloria Iberi-Thieme, die leider nur einmal in Münster auftreten. Und natürlich auch an Karin Tiefensee, die diese großartigen Masken entworfen hat. Immerhin hatten die vier jungen Damen schon Vorstellungen in Berlin, Österreich und – in englischer Sprache – in Breslau.  Ein ausgesprochen schöner Abend.

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