Clemenshospital: Ungewöhnliche Operation rettet 72-Jährige

Magdalene Temminghoff (l.) freut sich mit ihrer Ärztin Prof. Dr. Uta Schick über die gelungene Operation. (Foto: Clemenshospital)

Unsicherheit beim Gehen, Schmerzen und Schwäche im Arm, die ersten Anzeichen für ihre Erkrankung kamen bei Magdalene Temminghoff schleichend. Ein Tumor im Bereich des zweiten und dritten Halswirbels hatte das Rückenmark so stark verdrängt, dass die Versorgung des Körpers halsabwärts buchstäblich am seidenen Faden hing, es drohte eine Querschnittslähmung. Eine Operation über die üblichen Zugangswege war nicht möglich, der ungewöhnliche und gefährliche Zugang, den Prof. Dr. Uta Schick im Clemenshospital wählte, konnte die Vredenerin retten.

„Mir hat die Homöopathie gegen die Schmerzen zunächst immer sehr geholfen“, berichtet die 72-Jährige Vredenerin. Ende letzten Jahres spitzte sich die Situation dann jedoch zu: „Ich konnte manchmal meine eigene Schrift nicht mehr lesen und musste mich beim Gehen immer irgendwo festhalten“. Das Bild des Kernspintomografen (MRT) offenbarte die dramatische Ursache: Ein Tumor im Bereich des zweiten und dritten Halswirbels hatte das Rückenmark so stark verdrängt, dass die Versorgung des Körpers halsabwärts am seidenen Faden hing. „Je weiter oben die Nerven des Rückenmarks unterbrochen werden, desto größer ist der Bereich des Körpers, der nicht mehr mit den Signalen des Gehirns versorgt wird“, erläutert Prof. Dr. Uta Schick, Neurochirurgin am Clemenshospital.

Das Bild des MRT zeigt deutlich, wie der Tumor das Rückenmark verdrängt hat (l.). Nach der OP war der Rückenmarkskanal wieder frei (r.). (Foto: Clemenshospital)

Bei Temminghoff hätte dies bedeutet, dass selbst die Atmung nicht mehr ohne Maschinen möglich gewesen wäre. „Uns war schnell klar, dass wir operieren mussten, allerdings wurde das Rückenmark bereits so stark verdrängt, dass wir sehr vorsichtig vorgehen mussten und auf dem üblichen Weg von vorne oder hinten nicht an den Tumor herangekommen wären, ohne die Patientin zu gefährden“ berichtet die Chefärztin. Um die Nerven zu schützen, mussten die Chirurgen seitlich zwischen den Wirbelkörpern hindurch zum Tumor vorstoßen, ein ungewöhnlicher und gefährlicher Weg. „Entlang der Wirbelsäule verlaufen seitlich Arterien, das Gefäß auf der Operationsseite musste also zunächst vorsichtig freigelegt werden“.

Eingriffe an der Halswirbelsäule sind ein Schwerpunkt der Abteilung von Professor Schick, dennoch war diese Operation für alle Beteiligten eine Herausforderung. Fast fünf Stunden dauerte der Eingriff, an dessen Ende der Tumor erfolgreich entfernt war. Da es sich um einen gutartigen Tumor handelte, bleiben der Patientin sowohl Chemotherapie als auch Bestrahlungen erspart. „Das MRT-Bild zeigt, dass das Rückenmark wieder viel Platz im Rückenmarkskanal hat. In ein paar Monaten werden auch die Gangstörungen zurückgegangen sein“, ist sich die Chefärztin sicher. „Bereits kurz nach der Operation war das Kribbeln in den Händen fast verschwunden und ich habe mich gewundert, wie gut ich wieder schreiben konnte“, freut sich Magdalene Temminghoff.

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