Gentests aus medizinischer und ethischer Sicht

Diskutierten über Gendiagnostik (v.l.n.r.): Dr. Alice Schwab, Dr. Kerstin Rhiem, Maria Antonia Fischer, Patientin im Brustzentrum am St. Franziskus-Hospital; Prof. Dr. Lars Klinnert, Dr. Marita Witteler. (Foto: SFH)

Am Beispiel des familiären Brust- und Eierstockkrebses wurde im St. Franziskus-Hospital über die Möglichkeiten und Grenzen der prädiktiven Gendiagnostik diskutiert, die eine Vorhersage von Krankheitsrisiken bei Gesunden ermöglicht.

Ein Gentest wird als prädiktiv bezeichnet, wenn er bei jemandem durchgeführt wird, der zum Zeitpunkt der Untersuchung noch keine Symptome hat. Es wird untersucht, ob eine Mutation vorliegt, die auf die Veranlagung für eine Krankheit schließen lässt.

Interessierte ließen sich im Marienhaus des St. Franziskus-Hospitals darüber informieren, wann so ein Gentest sinnvoll ist und welche medizinischen, ethischen und psycho-sozialen Fragestellungen auf Menschen zukommen, bei denen eine Genmutation der so genannten „Brustkrebs-Gene“ BRCA1 und BRCA2 festgestellt wird.

„Angelina Jolie hat sich ihre Brüste entfernen lassen und damit die Gendiagnostik in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt – doch die Thematik ist wesentlich komplexer, als es die Schlagzeilen der Gazetten vermuten lassen“, erläutern Dr. med. Marita Witteler und Dr. med. Alice Schwab, Ethikbeauftragte des St. Franziskus-Hospitals Münster und Organisatorinnen der Veranstaltung. Das belegt auch die steigende Zahl von Ratsuchenden, die im Brustzentrum am St. Franziskus-Hospital betreut werden.

PD Dr. med. Kerstin Rhiem, Stellvertretende Direktorin des Zentrums für Familiären Brust- und Eierstockkrebs am Universitätsklinikum Köln, betonte: „Ziel unserer Beratung ist es, nicht nur sachliche Informationen zu bieten, sondern jede Frau in ihrem psycho-sozialen Umfeld zu ihrer individuellen Entscheidung zu begleiten und gemeinsam ein Konzept zur Gesunderhaltung zu erarbeiten.

Den Blick in die Zukunft zu richten, war auch Maria Antonia Fischer wichtig, die im Gespräch mit Dr. med. Marita Witteler, Ethikbeauftragter des St. Franziskus-Hospitals, das Thema aus Sicht von Betroffenen darstellte. Anschaulich schilderte sie die Schwierigkeiten in der Entscheidungsfindung, hob aber auch die Möglichkeiten der gezielten Prävention positiv hervor. Das BRCA-Netzwerk, in dem sie sich engagiert, biete weitergehende Informationen für Betroffene an.

Prof. Dr. Lars Klinnert von der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe beleuchtete gesamtgesellschaftliche und ethische Aspekte der prädiktiven Gendiagnostik. Die Gendiagnostik dürfe nur für die individuelle Gesundheitsvorsorge, nicht aber für die wirtschaftlichen und politischen Interessen Dritter (z. B. Versicherungen/Arbeitgeber) genutzt werden, betonte er.

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